Herzenstrunk

-

Herzentrunk

Ich! Wir! … oder Ich & Wir ?

Eine besinnliche Geschichte

-

-

Edmund saß grübelnd an seinem Schreibtisch. Wie sollte es weitergehen? Welche Weichen sollte er stellen, damit das weltbekannte Weingut „Herzenstrunk“, welches sich seit zwei Jahrhunderten im Besitz seiner Familie befand, erfolgreich auf dem immer größer und hart umkämpften Weltmarkt bestehen konnte. Edmund fühlte sich nicht nur seiner Familie gegenüber verpflichtet – nein, er trug auch die Verantwortung für seine Mitarbeiter; für die Menschen, die im Weinbau, im Verkauf, in der Kundenbetreuung, in der Fakturierung und im Marketing arbeiteten. Und da gab es noch einige mehr. Welcher seiner drei Söhne hatte die Gabe, das Weingut zum Wohle aller weiterzuführen.

Er dachte an seinen ältestes Sohn Kai. Ein stolzer Mann, der genau wusste, wie er sich positionieren musste, um erfolgreich zu sein. Kai hatte Betriebswirtschaft studiert und mit Auszeichnung bestanden. Dass er für seinen Erfolg auch schon mal über die sprichwörtlichen Leichen steigen musste, ließ ihn gänzlich unberührt. „Für den Jungen zählt nur ER-folg“, seufzte Edmund nachdenklich.

Seine Gedanken gingen weiter zu Oliver, seinem Zweitgeborenen. Oliver war ein richtiges Herzenskind. Bei dem Gedanken schmunzelte Edmund, war Oliver doch ein erwachsener Mann. Philosophie hatte er studiert, leider nur zwei Semester. Dann hatte er sich in einem Kunststudium versucht, das er bereits nach dem ersten Semester hinschmiss. Es folgte ein Studium in Sozialpädagogik. Hier lernte er seine Frau Chantal kennen. Geheiratet wurde schnell, denn die Zwillinge Samantha und Samina kündigten sich an. Zwei entzückende Mädchen, die Edmunds Herz im Sturm eroberten. Während sich Chantal ihren Mädchen und esoterischen Themen widmete, studierte Oliver erneut, dieses Mal Betriebswirtschaft. Mit der Vision einer „Wir-Kultur“ wollten Oliver und Chantal Einfluss auf das Weingut nehmen. Chantal hatte sich den Floh ins Ohr gesetzt in einer Gesellschaft zu leben, in der es keine Hierarchien mehr gab und alle eigenverantwortlich, ohne Regeln, in einer liebevollen Atmosphäre miteinander lebten. „Und Oliver hat sich in den Kopf gesetzt, seine Chantal glücklich zu machen. Wenn es sein muss, nimmt er wohl auch den Untergang unseres Weinguts in Kauf“, dachte Edmund laut und schüttelte verständnislos den Kopf. Natürlich war der Gedanke schön im Paradies zu leben, aber sie lebten nun einmal ganz real auf diesem Planeten und da mussten Regeln sein, damit es kein Chaos gab. Edmund schob alle weiter aufkeimenden Gedanken an Oliver und Chantal beiseite und konzentrierte sich auf Johannes, seinen Jüngsten.

Johannes hatte schon als Säugling ein sehr ruhiges Wesen. Er weinte selten, wirkte immer zufrieden und fröhlich. Als Jugendlicher zog er nicht mit seinen Kumpels durch die Straßen, um Unsinn anzustellen. Das nahmen ihm seine Freunde nie übel. Johannes war lieber alleine in der Natur unterwegs oder streifte an den Wochenenden mit dem alten Schäfer Sigfrid und seinen 500 Schafen über die Wiesen. Des Nachts am Feuer sprachen sie dann über die jeweiligen Textpassagen in der Bibel, die sie spontan aufschlugen. Johannes erzählte seinen Eltern und Freunden gerne über seine Gedanken, wenn man ihn darum bat. Er drängte sich jedoch niemals auf, außer einmal. Edmund konnte sich ein Grinsen bei der Erinnerung daran nicht verkneifen. Sein sonst so zurückhaltender und besonnener Sohn reagierte sehr emotional auf Chantals ausführliche Erzählungen bezüglich ihres Besuchs bei einem Medium, die mit den Toten sprach. Daraufhin zitierte Johannes eine Stelle aus dem alten Testament „Wenn man euch sagt: Befragt die Totengeister und Zauberkundigen, die flüstern und murmeln!, (dann erwidert:) Soll ein Volk nicht lieber seinen Gott befragen? Warum soll man für die Lebenden die Toten befragen? Jesaja 8,19“. Chantal lief knallrot an und schleuderte ihm wütend entgegen, „Wegen der Kirche sind im Mittelalter die weisen Frauen als Hexen verbrannt worden“ und verschwand mit geballten Fäusten aus dem Wohnzimmer.

Edmund liebte seine drei Söhne aus tiefstem Herzen. Letztendlich hatten alle drei Betriebswirtschaft studiert und ihre Erfahrungen in anderen Unternehmen gesammelt. Vom Wissensstand waren sie alle in der Lage, das Weingut zu führen. Aber wer von den Dreien konnte es mit Verstand und Herz? Edmund entschied sich, eine Familiensitzung einzuberufen und ihnen ein paar Fragen zu stellen.
-

Edmunds Fragen

„Zurzeit liest und hört man in den Medien Begrifflichkeiten wie Ich-Kultur und Wir-Kultur. Was denkt ihr, mit welcher Methode kann man unser Weingut in die nächste Generation führen? Wer von euch fühlt sich kraftvoll genug, dieses Erbe anzunehmen“

Kai brauchte gar nicht zu überlegen “Natürlich mit der Ich-Kultur. Nur wer ein starker Leader ist, kann mit Know-how, Ausdauer und Klarheit eine Firma und seine Mitarbeiter in das nächste Jahrzehnt führen“

Oliver schüttelte den Kopf und konterte, „Eine Firma kann man natürlich nur mit der Wir-Kultur ins nächste Jahrzehnt führen. Immer mehr Menschen leben das „Wir-sind-alle-Eins-Gefühl“. Wir müssen Regeln abschaffen und an die Verantwortung der einzelnen Mitarbeiter glauben“

„Und dann gibt es ein heilloses Chaos und nichts funktioniert mehr. Keiner fühlt sich verantwortlich, die Aufgaben werden hin und her geschoben. Bin mal gespannt, wie lange dein »Wir haben, uns alle lieb«- Gefasel überleben würde“, antwortete Kai mit hochrotem Gesicht. Wie sehr hasste er dieses weltfremde Gerede. Er konnte nicht begreifen, dass sie wirklich Brüder waren.

„Was meinst du dazu Johannes“, fragte Edmund seinen Jüngsten.

„Das ist nicht so einfach zu beantworten, Vater. Ich würde gerne eine Nacht darüber schlafen“

Edmund nickte zustimmend, während Kai und Oliver ihre Köpfe schüttelten. Was gab es da zu überlegen?

„Das ist eine gute Idee. Lasst uns alle eine Nacht darüber schlafen und morgen treffen wir uns erneut. Dann könnt ihr mir eure Überlegungen mitteilen“, beendete Edmund die Sitzung.
-

Gedanken

Johannes ging den direkten Weg zu seinem alten weisen Freund Sigfrid. Er traf den Schäfer inmitten seiner Herde, umringt von seinen treuen Gefährten, den Schäferhunden Fips und Flocke. Sigfrid freute sich stets über Johannes´ Gesellschaft und lud ihn ein, neben sich Platz zu nehmen. Sogleich schüttete Johannes dem alten Mann sein Herz aus. Er berichtete ihm über die Familiensitzung und ließ Sigfrid an seinen Gedanken teilhaben. Der weise Schäfer konnte Johannes´ inneren Konflikt gut verstehen.

„Morgen möchte Vater eine Antwort von mir bezüglich der Weiterentwicklung unseres Weinguts. Ich kann mich jedoch weder für die Ich-Kultur noch für die Wir-Kultur entscheiden. Vielleicht haben meine Synapsen einen Kurzschluss und ich begreife den Sinn nicht. Was hältst du von dem Thema“, fragte Johannes den weisen Mann.

Sigfrid strich sich nachdenklich durch seinen grauen Rauschebart und schaute versonnen in das Licht der untergehenden Sonne.

„Du hast dich in deiner Jugend doch sehr für die Indianer Nordamerikas interessiert. Ich kann mich daran erinnern, dass du mir sehr lebhaft über deine Studien berichtet hast. Unter anderem darüber, dass zum Beispiel der Häuptling eines Stammes abhängig war von dem Respekt, den die Mitglieder seines Stammes ihm entgegenbrachten. Keiner konnte sie zwingen, im Stamm zu bleiben, wenn der Häuptling keine Führungsqualitäten an den Tag legte. Dabei spielte es keine Rolle ob es sich um Jäger –und Sammlerstämme handelte, oder um Völker, die eine hoch entwickelte Landwirtschaft betrieben.“

Johannes nickte nachdenklich „Hm, ja. Bei Differenzen und Streit konnten die Stammesmitglieder jederzeit ihren Stamm verlassen, um sich einer anderen Gruppe anzuschließen oder eine neue Gruppe zu gründen. Dieses Übereinkommen führte dazu, dass der Häuptling ein starkes Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitgliedern seines Stammes hatte.“

„Was glaubst du, wie würden die Stammesmitglieder auf einen Häuptling reagieren, der keine Regeln mehr aufstellt. Einen Häuptling, der jedes Mitglied des Stammes machen lässt, was er oder sie möchte unabhängig davon, ob die Person die notwendigen Qualifikationen dazu hat.“

Johannes ahnte, worauf Sigfrid hinauswollte. „Manchmal kann es den Einzelnen überfordern, wenn er oder sie keine Führung hat und sozusagen im luftleeren Raum schwebt. Nicht jeder ist zum Häuptling geboren und nicht jeder zum Medizinmann“, antwortete er nachdenklich.

„Was würde geschehen, wenn die Krieger nicht mehr Krieger sein dürften, sondern sich der Landwirtschaft oder der Heilung widmen müssten“, überlegte Sigfrid weiter.

„Am effektivsten können die Menschen dort arbeiten, wo ihr Interesse und ihr Potenzial zur vollen Blüte gelangen dürfen. Wenn jeder Mensch sein Potenzial innerhalb einer sicheren Struktur, in einer Firma oder für ein bestimmtes Projekt einsetzen kann, dann kann dies letztendlich nur erfolgreich werden“, murmelte Johannes.

Sie saßen noch eine Weile in angeregtem Gespräch zusammen bis Johannes für sich einen Entschluss fassen konnte.
-

Johannes´ Antwort

Am folgenden Tag war Edmund sehr gespannt darauf, welche Antworten seine drei Söhne heute für ihn bereithalten würden. Kai und Oliver hatten nichts Neues zu berichten. Im Gegenteil, die Ansichten hatten sich zu einer trotzigen Haltung verhärtet. Keiner der beiden Männer wollte nachgeben.

„Johannes, kannst du mir heute eine Antwort geben? Mit welcher Methode kann man unser Weingut mit Erfolg in die nächste Generation führen?“, wollte Edmund nun von seinem Jüngsten wissen.

„Nur dann, wenn ich mein kraftvolles ICH mit meinem gesamten Potenzial einbringe und das kraftvolle ICH meiner Mitarbeiter anerkenne und ihr Potenzial sinnvoll einsetze, kann ein erfolgreiches WIR in allen Facetten des Lebens entstehen“, sprach er mit klarer Stimme.

Kai und Oliver schauten einander an und für Edmund war es, als würden sich Herzenstüren öffnen.

-

© Text Monika Schmitt

-

Veröffentlicht im
ZUFALL – Das WIRtschaftsmagazin mit Herz 2/ 2012
Thema „Wirtschaft zum Wohle aller“

Herzenstrunk – Ich! Wir! … oder Ich & Wir ?   pdf

-

-

Saphira und die Spiritualität Seite -3-

-

-

Bewaffnet mit Latte Macchiatto, Keksen und Vanilleeis, welches Saphira immer in der Gefriertruhe vorrätig hatte, machten sie es sich im Garten gemütlich. Es war ein wunderschöner warmer Spät-Frühlingstag. Die Hummeln und Bienen flogen summend von einer Frühlingsblüte zur nächsten, während ein Zitronenfalter anmutig durch die Luft schwebte. Ein Hauch von Sommer lag bereits in der Luft.

„Du sag mal, … ich weiß jetzt gar nicht, wie ich anfangen soll“, grübelte Saphira, „Ich will dich nicht verletzen, aber es interessiert mich wirklich … wie bist du als erfolgreiche Geschäftsfrau in der Szene angekommen?“

„Mach dir keine Sorgen, wenn du einen wunden Punkt in mir triffst, dann sage ich es dir schon … und umgekehrt bitte auch. Nur wenn wir offen und ehrlich in unserer Kommunikation miteinander sind, können wir voneinander lernen und innerlich wachsen. Ist das ok für dich?“

„Das hört sich sehr einfach an, ist es aber sicherlich nicht.“

„Stimmt, oftmals hindert uns der Wunsch, den anderen nicht verletzen zu wollen. Dieser Vorsatz ist ja auch lobenswert. Vielleicht hilft dir ja die Überlegung, dass wir unseren Gesprächspartner auch mit den Dingen verletzen können, die wir bewusst zurückhalten oder unterdrücken, weil wir den anderen nicht verletzen möchten. Wir nehmen ihm die Entscheidung ab, wie er mit dem Gesagten umgehen kann“

„Hm, da hast du wahrscheinlich recht. Ich finde es dennoch schwierig meine Empfindung offen und ehrlich mitzuteilen, wenn ich weiß, dass meine ausgesprochenen Gefühle den anderen verletzen könnten.“

„Und wie ist es, wenn das Nichtausgesprochene auch verletzen kann oder zu Missverständnissen führt“

„Puhhh … ok, lass es uns versuchen“

„Einverstanden, was möchtest du also genau von mir wissen“

„Na, wie du in der Szene Fuß fassen konntest und ob du auch das Empfinden von Neid, Missgunst, Beurteilungen und Verurteilungen kennst und erlebt hast“?

„Tja, es war gar nicht so einfach in der Szene anzukommen und um ehrlich zu sein, ich bin gar nicht dort angekommen. Und wenn ich weiterhin ehrlich bin, mag ich den Begriff Esoszene gar nicht. “

„Ich auch nicht, aber ich weiß gerade einfach nicht, wie ich mich verständlich ausdrücken soll“

„Ja, das ist nicht ganz einfach. Unsere Sprache besteht aus unzähligen Worten. Worte, die je nach Zusammenhang für jeden Menschen eine unterschiedliche Bedeutung haben können … geprägt durch eigene Erfahrungen, Erlebnisse und den dazugehörenden Emotionen.“

„Je mehr ich mich in der Szene herumtreibe und mich mit spirituellen Themen beschäftige, je größer wird meiner Unsicherheit.“

„Ja das kenne ich auch sehr gut. Deshalb bin ich wahrscheinlich erst gar nicht in der Szene angekommen. Ankommen kannst du ja nur dort, wo du hinwillst, dort, wo dein Ziel ist.“

„Ziel“? Saphira schaute überrascht von ihrem Vanilleeis auf. „Das ist eine gute Frage … was ist eigentlich mein Ziel?“

„Ich wusste zuerst auch nicht, was ich suchte. Ich wusste nur, dass mir etwas Wichtiges fehlt. Zuerst habe ich versucht mein Glück zu kaufen, indem ich mir ständig neue Dinge gewünscht habe und dachte, sobald ich dies oder jenes besitze, dann ist mein Glück perfekt. Oder, wenn ich mit dem Typen zusammen bin, dann bin ich glücklich. Ich habe mir massenhaft Wünsche erfüllt … rückblickend weiß ich, dass es keine Herzenswünsche waren. Nichts, was mich meinem Seelenkern auch nur ein kleines Stückchen näher gebracht hätte“.

„Wie meinst du das …. deinem Seelenkern ein Stück näher gebracht hätte?“ Saphira spürte in ihrem Inneren eine Resonanz. Irgendetwas in dem soeben Gesagten ließ ihr Herz ein kleines bisschen schneller schlagen.

„Na, zuerst habe ich viel gelesen und viele Seminare und Workshops besucht. Immer ging es um die Themen Erleuchtung oder spirituelles Erwachen“. Samanthas Augen verengten sich ein wenig und bekamen einen sehnsüchtigen Blick, während sie gedanklich in ihre Vergangenheit zurückging. Diese Sehnsucht war für Saphira körperlich spürbar. Kein Wunder traf dieses Gefühl sie mitten ins Herz. Ihr wurde auf einen Schlag bewusst, dass sie auf der Suche nach spiritueller Erfüllung war, oder war es doch eher spiritueller Beistand, den sie sich wünschte? Sie konnte diese Gefühle nicht in Worte fassen.

„Wann hast du gespürt, was du wirklich suchst?“ Saphiras Augen blickten voller Neugier zu Samantha.

„Das hat eine Weile gedauert. Zuerst habe ich gedacht ich suche den Weg zur inneren Erleuchtung. Natürlich habe ich viele verschiedene östliche Techniken ausprobiert. Angefangen bei der Meditation über Yoga bis hin zu Tai Chi und noch einiges mehr. Die eigene Religion habe ich dabei verleugnet. Katholisch oder evangelisch zu sein, Christin zu sein ist derzeit ja nicht up to date. Dabei haben die Taten der Geistlichen ja nichts mit der Bibel zu tun.“ Ein Augenblick der Stille folgte während Samantha weiter zurück in ihrer Vergangenheit schaute. In ihrer Mimik konnte Saphira kleine Regungen wahrnehmen die Freude, Verzückung und Sehnsucht ebenso widerspiegelten, wie Trauer, Enttäuschungen und tiefe Verletzungen. „Ich habe viele Menschen kennengelernt. Darunter viele, die mich inspiriert haben … das waren meist die stillen und zurückhaltenden Personen.“ Wiederum folgte ein Augenblick des lautlosen Rückblicks. Tränen füllten Samanthas Augen, als sie weitersprach, „Und ich habe mich so verbogen, dass ich nicht mehr ich selbst war“. Eine leise Träne stahl sich aus Samanthas linkem Auge. „Ich bin zutiefst verletzt worden und ich habe verletzt. Zum Schluss habe ich, wie ein verletztes Tier das man in die Ecke drängt, blind und ohne Rücksicht um mich geschlagen. Ich habe Menschen mit meinen Worten verletzt, habe ihnen ungefragt meine Meinung aufgedrängt. Ich habe mein Geschäft vernachlässigt, stand kurz vor dem Bankrott. Ich habe versucht zu gefallen und habe mich dabei verloren.“

Im Garten wurde es ganz still. Saphira nahm nichts mehr um sich herum wahr – kein Vogelgesang, keinen Wind, der durch die Blätter wehte und auch kein summen der Bienen und Hummeln. Gespannt wartete sie darauf, was Samantha weiter erzählen würde.

„Heute ist die Bibel mein wichtigster spiritueller Begleiter. Ich lese sie nun mit einem anderen Geist und ich finde immer neue Antworten darin. Es tut mir gut, mich immer mehr auf mich zu besinnen. Natürlich würde ich mich gerne mit Gleichgesinnten austauschen. Ich denke, das war auch der Grund, warum ich in der Esoszene Freunde gesucht habe. Ich dachte hier finde ich spirituelle Weggefährtinnen. Wer mag schon gerne alleine gehen? Für mich hat sich dieser Wunsch jedoch nicht erfüllt.“

„Wie hast du wieder zu dir gefunden?“

„Das war ein langer Weg. Ich weiß nicht mehr wie, aber plötzlich hatte ich die Visitenkarte einer Seelenbegleiterin auf meinem Schreibtisch liegen. Keine Ahnung wie die dahin gekommen ist. Irgendwann, als es gar nicht mehr weiterging und ich das Gefühl hatte von Gott und der Welt verlassen zu sein griff ich zum Telefonhörer wie ein Ertrinkender zum sprichwörtlichen Strohhalm und rief Amethysta an.“

„Amethysta? … Amethysta Oraculum?“, fragte Saphira mit erstauntem Blick.

„Ja, Amethysta Oraculum, so heißt meine Seelenbegleiterin. Kennst du sie?“

„Ja, ich war auch schon ein Mal bei ihr.“

„Amethysta hat mir sehr geholfen. Sie hat mich durch mein tiefes Tal der Traurigkeit begleitet … ich weiß nicht, ob ich es ohne sie geschafft hätte. Ich war wirklich ganz unten angekommen und wusste nicht mehr, wie ich aufstehen kann.“

„Hm … ich glaube, ich sollte vielleicht auch noch mal zu ihr gehen“, grübelte Saphira laut vor sich hin.

„Du warst schon einmal bei Amethysta … und? … Hast du deine Hausaufgaben nicht gemacht … bist du deshalb nicht mehr hin“, Samanthas fröhlich verschmitztes Lächeln blitzte wieder in ihren Augen auf.

„Ich glaube, es hat seinen Grund, warum wir uns heute begegnet sind“, grinste Saphira zurück. „In der Tat, ich habe meine Hausaufgaben die Amethysta mir mitgegeben hat nicht gemacht.“

„Kenn ich … und ich kann dir verraten ohne deine aktive Mitarbeit kann Amethystas Begleitung keine Früchte zeigen … denn DU möchtest ja Veränderung … die kannst nur du selbst bewirken. Wie sagt Amethysta immer so schön, »Hilft man einem Schmetterling zu schlüpfen, indem man seinen Kokon aufschneidet, so kann er nicht fliegen und nicht im Sonnenlicht tanzen «“

„Ne kenn ich noch nicht … werde ich aber sicherlich in Kürze kennenlernen“, grinste Saphira fast ein wenig verlegen.

Samantha und Saphira schauten sich tief in die Augen. Ohne es laut auszusprechen, wussten sie beide, dass sie den Weg zu ihrem Seelenkern nun nicht mehr alleine gehen mussten. An diesem Tag hatten sich zwei Seelenschwestern gefunden.

-

Fortsetzung folgt …. denn Saphiras Reise geht weiter

-

Saphira und die Spiritualität

Seite -1- | Seite -2- | Seite -3-

-

©  Monika Schmitt

Saphira und die Spiritualität Seite -2-

-

-

Schweigsam fuhren sie in Samanthas rotem Porsche vom Messegelände runter in Richtung Autobahn. Ganz in Gedanken versunken saß Saphira in den weichen schwarzen Ledersitzen dieses Luxusschlittens, den sie gar nicht wirklich wahrgenommen hatte. Wie in Trance war sie in das Auto eingestiegen. Sie konnte Samantha gerade noch ihre Adresse mitteilen, bevor sie in das große schwarze Loch ihrer Traurigkeit fiel.

Saphira wohnte in einem kleinen Dorf nahe Köln, ihrer Geburtsstadt. Vor ein paar Jahren noch hätte sie sich gar nicht vorstellen können aufs Land zu ziehen – doch je mehr sich ihre angeborene Sensitivität entfaltete, desto geräuschempfindlicher wurde sie und so hatte sie sich vor nicht allzu langer Zeit entschieden, ihrer Heimatstadt den Rücken zuzukehren. Wichtig war ihr nur, dass der Kölner Dom in maximal einer Stunde für sie zu erreichen war. Saphira liebte den Kölner Dom – allzu gerne würde sie einmal des Nachts ganz alleine durch den Dom streifen und alle versteckten Winkel und Ecken erkunden.

Gleichzeitig mit ihrer Entscheidung aufs Land zu ziehen, setzte Saphira auch ihren Wunsch um, sich selbstständig zu machen. Als gefragte Werbegrafikerin konnte sie ihre Aufträge sehr gut von Zuhause aus erledigen und Kundenbesuche waren auch kein Problem, da Saphira gerne Auto fuhr. Schnell fand sie in einem kleinen Dorf im nördlichen Westerwald ein kleines altes frei stehendes Bauerhaus, das scheinbar nur auf sie gewartet hatte. Der kleine verwilderte Garten, der das Haus vom Waldrand trennte, erinnerte Saphira an einen Elfengarten. Kunterbunt war die Blütenpracht der unzähligen, wundervoll duftenden Wildblumen. Ihr kleines Bauernhaus erinnerte sie ein bisschen an Amethystas Haus.

Auf dem Land fühlte Saphira sich sehr wohl. Der nahe gelegene Wald war für sie ein Ort der Inspiration und Regeneration. Bei ihren täglichen Spaziergängen in der Natur fand sie hier stets einen Zugang zu ihrer inneren Stärke und Ruhe, in der sich neue Ideen entfalten konnten. Das kam ihrer Arbeit natürlich zugute und so hatte sie von Anfang an keine Probleme in ihrer Selbstständigkeit, was natürlich zusätzlich sehr beruhigend auf sie wirkte.

„Biegen sie die nächste Straße rechts ab. Nach 200 Metern haben sie ihr Ziel erreicht. Biegen sie rechts ab“. Die weibliche Stimme des Navigationsgeräts weckte Saphira aus ihren Gedanken. Ihr neues Zuhause war nur 30 Minuten von Köln entfernt, dennoch kamen ihre Freundinnen selten zu Besuch. Statt dessen riefen sie an, um zu fragen, wann Saphira denn nun endlich wieder nach Köln kommen würde, damit man sich treffen könnte. Der Vorwurf Saphira würde die Freundschaft nicht mehr pflegen, seit sie aufs Land gezogen sei, folgte stets auf dem Fuß. Das machte sie traurig und wütend zugleich, war der Weg von Köln zu ihrem neuen Zuhause im Westerwald doch genauso weit wie umgekehrt. Mimosa war auch eine dieser Freundinnen, die stets klagten, dass Saphira sich nicht für ihre Freundschaft einsetze und nun war diese Freundschaft beendet, nur weil Saphira diesen Vortrag so schrecklich fand und vorzeitig den Saal verlassen hatte.

Samantha parkte ihren roten Flitzer direkt vor Saphiras Haustüre. „Woooow, sieht aus wie ein kleines verwunschenes Hexenhäuschen … und der Wald gleich vor der Türe … und dieser verzauberte Wildgarten.“

Samanthas Begeisterung belebte Saphiras Lebensgeister. Ja, sie hatte ein wunderbares Zuhause und das wollte sie sich nicht trüben lassen. „Komm, lass uns reingehen. Ich mache uns einen Latte Macchiatto, dann setzen wir uns in den Garten.“

„Suuuper Idee.“

„Heißer Schlitten“, bemerkte Saphira anerkennend mit einem neidlosen Blick auf Samanthas roten Porsche.

„Jaaaaa, ich liebe schnelle Autos“, grinste Samantha verschmitzt. „Früher habe ich meine Luxusschlitten immer so geparkt, dass Kunden, Bekannte und Freunde sie nicht sehen konnten. Die abwertenden oder auch manchmal neidvollen und missgünstigen Blicke wollte ich mir ersparen. Man könnte fast sagen, mein Erfolg war mir peinlich. Ist echt verrückt. Da ackerst du von morgens bis abends, oftmals sechzehn, achtzehn Stunden am Tag, auch an den Wochenenden und dann kommen ein paar missgünstige Sprüche wie »Der geht´s ja nur ums Geld« oder »Die ist ja richtig geldgeil« und noch schlimmere und schon versteckst du dich und deinen Erfolg. Hat lange gedauert, bis ich mein Licht nicht mehr unter den Scheffel gestellt habe“. Samanthas Augen funkelten fröhlich mit den Sonnenstrahlen um die Wette, während sie sprach.

„Was machst du eigentlich beruflich“, wollte Saphira nun wissen.

„Och, ich habe ein paar Boutiquen.“

„Ein paar Boutiquen … und da traust du dich in die Esoszene“, Saphira war selbst erstaunt über ihre soeben gestellte Frage. „Sorry, so meinte ich das nicht. Es ist nur so, dass das irgendwie nicht zu passen scheint. Ich meine … wie hast du in der Szene Fuß fassen können, wo doch so schnell über erfolgreiche Menschen und dann auch noch aus der Modebranche gelästert wird.“ Saphira fasste sich an ihren hübschen Kopf, „Ich meine … ach ich weiß auch nicht, wie ich mich jetzt ausdrücken soll, ohne in die gleiche Schublade zu greifen und zu werten und zu beurteilen. Ich habe den Eindruck, dass ich heute schon den ganzen Tag werte und urteile, …. wenn ich an den Vortrag und das darauffolgende Erlebnis mit Mimosa denke“, Saphira war nun sichtlich durcheinander.

„Saphira, vielleicht hast du ja nur deine Grenzen aufgezeigt und gar nicht gewertet … denk darüber mal nach“, gab Samantha zu bedenken.

„Grenzen?“, Saphira schaute irritiert auf – Grenzen, darüber wollte sie jetzt nicht nachdenken. Dieses Thema löste in ihr sichtliches Unbehagen aus.

„Komm lass uns erst einmal reingehen. Ich würde gerne den angekündigten Latte Macchiatto in deinem verwunschenen Garten genießen und dann können wir in Ruhe reden“

„Du hast recht, lass uns reingehen“

-

Seite -2-

-

Fortsetzung folgt …  Seite -3-

-

©  Monika Schmitt

-

Saphira und die Spiritualität

-

-

Unruhig rutschte Saphira auf ihrem Stuhl hin und her. Beobachter konnten ganz leicht den Verdacht hegen Saphira sitze auf einem kochend heißen Stuhl, dabei saß sie nur in einem Vortrag zum Thema »Engel helfen den Menschen beim spirituellen Erwachen«

„So viel gequirlten Mist habe ich ja noch nie gehört“, brummelte sie leise vor sich hin und erntete von ihrer Freundin Mimosa, die mit ihr diesen Vortrag besuchte einen vorwurfsvollen Blick. Saphira konnte kaum glauben, was sie auf dieser Messe und vor allem in diesem Vortrag alles zu hören und zu sehen bekam. „Ihr müsst täglich vor dem aufstehen und vor dem Zubettgehen eure positiven Affirmationen jeweils 100 x voller Inbrunst aufsagen. Nur dann kann sich euer sehnlichster Wunsch, die Transformation, die Erleuchtung noch in diesem Leben erfüllen“, sprach die Rednerin mit seligem Blick oder war es eher ein heiliger Blick. Saphira konnte sich nicht entscheiden, wie sie diesen erleuchteten Blick nennen sollte.

„Wie oft diese Erleuchtete ihren Blick wohl vor ihrem Badezimmerspiegel geübt hatte? Wohl täglich mit den passenden Affirmationen »Ich bin eine Erleuchtete« “, wütete Saphira in sich hinein. Diese Masse an Heilsversprechen, die natürlich an bestimmte zu erfüllende Handlungen geknüpft waren, machten Saphira ganz schwindelig. Ihr war schwindelig im Kopf und sie fühlte einen Tsunami der Wut in ihrem Bauch aufsteigen. Saphira musste hier raus.

„Mimosa ich warte draußen auf dich. Diesen Mist kann ich mir nicht länger anhören“, sprach sie nicht gerade leise. Mimosa drehte ihren Kopf zur Seite, ganz nach dem Motto »Ich kenne diese Frau gar nicht« so peinlich war ihr Saphiras Abgang.

„Ja manche Menschen haben eben noch viele energetische Blockaden in sich, deshalb können sie diese Worte nicht ertragen. Sie müssen in diesem Leben noch viel lernen, um den Weg der Erleuchtung einschlagen zu können“, gab die Rednerin, deren Namen Saphira längst aus ihrem Gedächtnis verbannt hatte, gerade zum Besten. Saphira drehte sich nicht um, denn einen weiteren heiligen, mitleidsvoll lächelnden Blick dieser Frau konnte Saphira beim besten Willen nicht ertragen … und die mitleidigen Blicke der Zuhörerschar, wollte sie ebenfalls nicht sehen.

Saphira schritt mit festen Schritten in Richtung Ausgang, der F r e i h e it  entgegen. Auf dem Parkplatz des Messegeländes angekommen tigerte sie schimpfenderweise auf und ab.

„Was für ein Mist war das denn. Ich habe ja schon viel gelesen, gesehen und gehört, was diese esoterische Szene zu bieten hat, die jetzt gerne, wo das Thema Esoterik eine Schattenseite bekommen hat, sich als spirituelle Szene bezeichnet. Was ist denn überhaupt Esoterik und was ist Spiritualität. Bohhh ich fasse es nicht. Meine Synapsen stehen kurz vor einem Kurzschluss und so ’n Schiet, ich habe trotz allem ein schlechtes Gewissen. Manno … was soll das“.

„Ich kann sehr gut nachempfinden, was du gerade durchmachst“, meldete sich eine sanfte Stimme zu Wort.

Saphira blieb wie angewurzelt stehen. Hatte sie jetzt schon Halluzinationen? Sprach ein Engel zu ihr oder war es gar ihr höheres Selbst? Langsam schaute sie nach rechts. Dort stand eine hübsche junge Frau. Mit ihren pechschwarzen Haaren, den strahlend grünen Augen und dem knallrot geschminkten Mund erinnerte sie Saphira ein bisschen an Schneewittchen.

„Hallo ich bin Samantha, ich habe gesehen, wie du wutentbrannt aus dem Vortrag gestürmt bist“

„Ja und ich bin immer noch stinksauer. Ach ja, ich bin Saphira“, lächelte sie Samantha an.

„Du kommst wohl auch nicht zurecht mit den Ansichten und Erwartungen innerhalb der Szene“?

„Nein, warst du auch in dem Vortrag“?

„Ja, ich gehe immer noch ab und an auf verschiedene esoterische Veranstaltungen, aber es wird immer weniger. Ich muss gestehen, das ist schon fast ein bisschen wie eine Sucht und ich bin gerade dabei, mich davon zu lösen“

„Ach, erzähl mal“, Saphiras Neugier war nun endgültig geweckt.

„Oh, das ist eine sehr sehr lange Geschichte. Wie lange hast du denn Zeit“, lächelte Samantha.

„So viel Zeit, wie es braucht“.

„Ich bin schon sehr lange in der esoterischen Szene unterwegs, ich habe viele verschiedene spirituelle Ausbildungen gemacht, habe meine medialen Wahrnehmungssinne geschult, meine Intuition entwickelt, mich in Reiki einweihen lassen und so weiter und so fort. Anfangs hat mir das auch sehr viel Freude bereitet, bis die ganzen Verurteilungen und Beurteilungen anfingen“.

„Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Wenn du dich nett anziehst und schminkst, dann kannst du keine Yogalehrerin sein oder auch keine Heilerin, denn das ist ein No Go. Warum auch immer“.

„Die Liste der Vorurteile ist recht lang. Da denkt man, man begibt sich unter Gleichgesinnte, die ihr Bewusstsein entwickeln möchten, und landet vollkommen unvorbereitet in einer Tretmühle aus Vorurteilen, Beurteilungen, Feindseligkeiten, Neid, Konkurrenzdenken und enorm großem Schubladendenken“.

„Hm, stimmt. Du darfst dich nicht schminken – das ist nicht spirituell. Du darfst keine Grenzen setzen – das ist nicht spirituell. Du darfst deine Gefühle nicht zeigen, vor allen Dingen nicht die Gefühle von Wut und Zorn – das ist nicht spirituell. Traurigsein und Trauer empfinden sind ebenfalls unerwünschte Emotionen. Und ein Copyright-Hinweis unter seine eigenen Texte und Bilder setzen ist ebenfalls nicht spirituell, weil – wir sind ja alle E I N S . Ist es etwa spirituell sich in die Ecke drängen zu lassen, sich in Schutt und Asche zu hüllen und sich dann noch verbal attackieren zu lassen“, Saphira hatte sich wieder richtig in Rage geredet.

„Und nicht zu vergessen die vielen tollen Sprüche, die letztendlich dir die Schuld an deinem Leben vorhalten und weder stärkend noch auflösend wirken, sondern nur noch mehr verletzen“, grinste Samantha verschmitzt. Hier hatten sich zwei Frauen gefunden, die nicht weiter in dem esoterischen Hamsterrad laufen wollten. Es tat gut, eine Seelenverwandte zu treffen.

„Ja genau und dennoch hat man ein schlechtes Gewissen“, grübelte Saphira.

„Ich weiß, was du meinst. Ich habe für mich festgestellt, dass dieses schlechte Gewissen daher rührt, dass innerhalb der Szene ob bewusst oder unbewusst mit Angst gearbeitet wird“

„Hm, da könnte was dran sein. Da wird auf der einen Seite die Kirche verteufelt, weil sie von einem strafenden Gott predigen – obwohl ich den gar nicht kennengelernt habe – und auf der anderen Seite wird mit Angst gearbeitet. Du hast Blockaden, weil du nicht weiterkommst. Es wird dieses und jenes geschehen, wenn du etwas Bestimmtes nicht tust. Oder es ist Karma, die Retourkutsche oder Strafe aus einem anderen Leben. Aber wieso sollte Gott mich für etwas bestrafen, an das ich mich nicht erinnern kann. Welchen Sinn sollte das haben“? Saphira wurde immer nachdenklicher.

„Ach hier bist du. Das war ja ein mega peinlicher Auftritt von dir. Du hast mich bis auf den Boden blamiert. So etwas tut eine Freundin nicht. So ein Verhalten ist nicht spirituell. Ich kann mit Menschen, die sich mir gegenüber so verhalten nicht mehr umgehen. Das wurde mir während dieses Vortrages so was von klar. Du hast meine Grenzen mit Füssen getreten, ich muss mich von dir als Freundin trennen, denn ich möchte den spirituellen Weg weitergehen und dabei behinderst du mich. Alle haben mir zugestimmt. Ich bin auf dem richtigen Weg und deshalb gehen wir von nun an getrennte Wege“, sprach Mimosa und schwebte mit einem erhabenen fast heiligen Blick von dannen.

Saphira blieb der Mund offen stehen und das war gar nicht so einfach, hatte sie eigentlich immer etwas zu sagen. Jetzt hatte es ihr die Sprache verschlagen.

Samantha berührte sanft Saphiras Arm, um sie aus ihrer Schockstarre zu lösen. „Soll ich dich nach Hause bringen“?

„Ja gerne, vielleicht können wir auch noch ein wenig reden“, hoffte Saphira, denn Zweifel und ein schlechtes Gewissen begannen in ihr zu nagen.

„Sehr gerne, komm lass uns gehen“

-

Seite -1-

-

Fortsetzung folgt …. Seite -2-

-

© Monika Schmitt

-

Saphira Curiositas Seite -6-

-

-

Amethysta führte Saphira einen schmalen Pfad entlang, der hinter ihrem kleinen Bauernhaus auf direktem Weg in den Wald führte. Zur rechten Seite dieses Weges glitzerte das kristallklare Wasser eines kleinen Baches durch das Strauchwerk. Fröhlich plätscherte das nasse Element über die Steine im Wasserlauf und gab beruhigende Naturklänge von sich. Ein zarter Wind säuselte durch die Blätter der Sträucher und entlockte ihnen eine beruhigende Windmusik, während er die beiden Frauen, die in Gedanken versunken nebeneinander spazierten, sanft umarmte. Vor dem Wald angekommen konnte Saphira einen lichtdurchfluteten Hohlweg entdecken. Das Licht der Sonne, das sich in den Blättern der unterschiedlichen Laubbäume brach, belebte Saphiras Fantasie. Mystisch wirkte dieser Weg in den Wald hinein. Die Ahornbäume, Birken, Eichen, Kastanien und Rotbuchen wirkten geheimnisvoll, fast unwirklich. War sie in einem Feenwald angekommen? Was würde sie auf diesem Weg erwarten, fragte sie sich im Stillen. Kurz zögerte Saphira den Hohlweg zu betreten, dann gab sie sich einen Ruck und folgte Amethysta sicheren Schrittes in den Wald hinein. Nach einem kurzen Spaziergang öffnete sich der Wald plötzlich und gab den Blick auf eine große Lichtung frei, auf der sich ein großer, sehr alter Steinkreis befand. Überrascht schaute Saphira zu Amethysta, auf deren Gesicht ein spitzbübisches Lächeln erstrahlte.

„Komm lass uns in der Mitte des Steinkreises Platz nehmen“, schlug Amethysta Saphira mit einer einladenden Handbewegung vor.

„Sehr gerne, ich leg mich aber lieber ins weiche Gras und genieße die Sonne“.

Die beiden Frauen nahmen auf dem weichen und von der Frühlingssonne angewärmten Gras Platz. Saphira hatte das Gefühl, dass etwas in ihr zu schwingen begann. Still war es, ganz still.

„Meine liebe Saphira, lass uns die Augen schließen, die klare Luft tief einatmen und in die Ruhe dieses Kreises eintauchen. Wenn Du magst, dann leite ich dich sanft in eine kleine Meditation“. Amethysta hatte kaum ausgesprochen, da schlossen sich auch schon Saphiras Augen.

„Sehr gerne“, hauchte Saphira.

„Lege dich ganz entspannt hin, strecke die Beine aus und lass die Füße langsam nach außen fallen. Deine Arme ruhen locker und gelassen an deiner Seite. Schließe deine Augen und atme ruhig ein und aus. Spüre, wie du mit jedem Atemzug ruhiger wirst. Bei jedem Ausatmen lässt du von allem los, was dich bisher noch beschäftigt hat. Lass deine Gedanken ziehen, wie kleine weiße Wolken am sonnigen Himmel. Der Druck in deinem Inneren wird leichter und fließt mit dem Ausatmen davon. Beim Einatmen atmest du Leichtigkeit und Freiheit ein, die dir den Weg in die tiefe Ruhe deines Inneren erleichtert. Du fühlst dich ruhig und zufrieden, bist völlig entspannt“.

Saphira glitt sehr schnell in einen schlafähnlichen Zustand. Sie hörte gar nicht mehr was Amethysta ihr erzählte, war sich aber gewiss, dass sie da war und sie schützte.

In dieser leichten Trance öffnete sich in Saphiras Gedächtnis eine lange verschlossene Türe. Sie konnte sehen, wie sich in ihrem Inneren etwas veränderte. Auf der Türe stand das Wort
T r a u r i g k e i t. Bevor Saphira erschrecken konnte, spürte sie Amethysta in sich oder war sie neben ihr. Egal, sie war da und das war ihr das Wichtigste. Sie hörte Amethysta Stimme aus der Ferne „Möchtest du wissen, was sich hinter der Türe namens Traurigkeit befindet?“ Saphira nickte fast unmerklich mit ihrem Kopf. Ja, allzu gerne wollte sie wissen, was sich hinter dieser Türe verbarg.

„Saphira du fühlst dich wohl, bist sicher und geborgen. Wenn du magst, dann öffne ganz sanft die Türe der Traurigkeit und wir schauen, was sich dahinter verbirgt.“

Behutsam öffnete sich auf magische Weise die Türe. Saphira stand nun in einem kleinen dunklen Raum. Dieser Raum machte ihr keine Angst, sie kannte ihn nur zu gut. Obwohl der Raum so dunkel war, dass man die Hand vor den Augen nicht sehen konnte, fühlte sich Saphira sicher und beschützt.

„Wie fühlst du dich Saphira“?

„Ich fühle mich sehr wohl“.

„Wo bist du jetzt gerade“?

„Ich bin in einem dunklen Raum“.

„Was ist das für ein Raum“?

„Das ist mein Sicherheitsraum. Hier werde ich beschützt“.

„Magst du ein kleines Licht anzünden, um zu schauen, ob der Raum dir noch etwas anderes geben möchte“?

„Ja …. Jetzt sehe ich eine neue Türe. Die sieht eher aus wie eine Eisentüre“.

„Welchen Namen trägt die Eisentüre?“

„G e b o r g e n h e i t“

„Wenn du magst, dann öffne die Türe Geborgenheit und wir schauen, was sich dahinter verbirgt“.

Wiederum öffnete sich auf magische Weise diese Türe ganz sanft und sacht. Saphira befand sich nun in einem Raum, der in einem weichen smaragdgrünen Licht leuchtete.

„Saphira, wo bist du jetzt“?

„Ich bin in meinem Raum der Geborgenheit. Ein sanftes grünes Licht hüllt mich ein und schenkt mir innere Ruhe. Ich habe das Gefühl, in meine innere Balance zu kommen. Es fühlt sich schön an“.

„Genieße dieses wunderschöne Gefühl, und wenn du bereit bist, dann schau dich in deinem Raum der Geborgenheit einmal um … möchte der Raum dir noch etwas anders geben“?

Nach einer kleinen Weile meldete sich Saphira wieder zu Wort, „Jetzt plötzlich erscheint ein pinkfarbenes Licht. Das Licht ist ebenfalls eine Türe. Diese Türe ist herzförmig“.

„Welchen Namen trägt die herzförmige Lichttüre“?

„L i e b e“.

„Wenn du magst, dann öffne die Türe der Liebe und wir schauen, was sich dahinter verbirgt“.

Sanft glitt die pinkfarbene Herztüre zur Seite und gab den Blick frei auf einen Raum, der in allen Farben des Regenbogens schimmerte. Nein, es waren nicht nur die Farben des Regenbogens. Da glitzerte es in Gold, Silber, Perlmutt … in Farben, die Saphira vorher noch nie gesehen hatte.

„Es ist so unglaublich schön … ich kann es nicht in Worte fassen“, hauchte Saphira tief berührt.

„Liebe Saphira was ist das für ein wundervoller Raum“?

„Das ist mein Raum der Liebe. Ich bin die Liebe“.

„Magst du deine Liebe durch die verschiedenen Türen tragen und ins Leben bringen“?

„Die Traurigkeit hat meine Liebe eine lange lange Zeit beschützt. Sie hat ihren Job gut gemacht. Jetzt ist es an der Zeit, meine Liebe ins Leben tragen“.

„Dann stell dich in den Raum der Liebe. In die Liebe, die du bist, und genieße die strahlenden Farben deines Herzens. Lade dich auf mit dem Gefühl, das du Liebe bist, und trage es in deinem Rhythmus durch die Türen deines Herzens ins Leben“.

Saphira badete ausgiebig in dem kosmischen Lichterspiel ihres Herzens. Angefüllt mit der Energie der Liebe durchschritt sie langsam die Eisentüre Geborgenheit, die sich augenblicklich in eine grüne Herztüre aus Licht verwandelte. Freudig schritt sie weiter in den ehemals dunklen Raum, der nun hell erleuchtet war. Die Türe namens Traurigkeit verwandelte sich in eine sanft rotleuchtende Herztüre. Die Buchstaben des Wortes Traurigkeit begannen zu tanzen und der Tanz verwandelte sie. Saphira schaute auf den neuen Namen der in leuchtenden Lettern auf der roten Herztüre strahlten F r ö h l i c h k e i t.

Langsam drang Amethystas Stimme wieder in Saphiras Bewusstsein.

„Ganz allmählich kommt nun der Augenblick, da du zurückkehren musst. … Atme nun tief ein und aus. Du spürst, wie du langsam wacher wirst und in deinen Alltag zurückkehrst. Atme noch einmal tief ein und aus. Du spürst nun wieder deinen Körper, deine Arme und deine Beine. Atme noch einmal tief ein und aus. Bewege langsam deine Arme, deine Hände, deine Beine, recke und strecke dich öffne langsam deine Augen und kehre fröhlich und ausgeruht zurück in deinen Tag.

Langsam schlug Saphira ihre Augen auf. Welch wundersames und zugleich wundervolles Erlebnis hatte sie soeben erleben dürfen. Dankbar lächelte sie Amethysta an. Tief in ihrem Herzen spürte sie, dass dieses Erlebnis der Start zu einer ganz besonderen Reise sein würde. Eine Reise, die sie zu ihrem Seelenkern führen würde.
-

-

Saphiras Reise geht weiter mit dem Thema “Spiritualität” … Seite 1


-

© Monika Schmitt

-
(Ein- und Ausklang zur Meditation sind meinem Buch „Engelsprechstunde – 33 Engelmeditationen für Kinder und Erwachsenen“ entnommen)

-

Saphira Curiositas Inhaltsverzeichnis

 

-

Saphira Curiositas Seite -5-

-

-

Saphira hatte das Gefühl, von dem schwarzen Sessel sanft und schützend umhüllt zu werden. Es war, als würden sie unsichtbare Arme zärtlich umarmen. Saphira wusste nicht, ob sie sich in dieses friedvolle Gefühl hineingleiten lassen oder ob sie lieber ihrem angeborenen Fluchtinstinkt folgen sollte, der sie dazu animierte, in Alarmbereitschaft zu bleiben. Sie rutschte unruhig auf ihrem Sessel hin und her. „S C H W A R Z … die Farbe des Bösen, die Farbe der negativen Energie“, dieser Gedankenblitz traf sie wie ein Orkan und ihr ganzer Körper begann zu beben. Was sollte sie nur tun?

Mit ihrer empathischen Begabung konnte Amethysta sehr gut nachfühlen, was in diesem Augenblick in Saphira vorging. Hatte sie doch ähnliche Gefühle in Bezug auf die Farbe Schwarz gehabt. Der Blick vieler Menschen war einfach nur auf das Negative fokussiert; die andere Seite der Medaille konnten sie meist gar nicht wahrnehmen.

„Saphira atme tief ein und aus. Du brauchst keine Angst zu haben. Erzähl mir, was du in diesem Moment fühlst.“

„Ich habe furchtbare Angst. Während eines Infoabends zur Ausbildung zum Energiekanal-Practitioner hat die Leiterin auch über Farben gesprochen und uns erklärt, dass sich alles Negative in der Farbe Schwarz zeigt. Wir sollten doch tunlichst alles Schwarze aus unseren Wohnräumen entfernen“, japste Saphira. „Ich weiß, dass das verrückt ist, dennoch verfehlt es gerade nicht seine Wirkung“.

Amethysta hatte schon viel Merkwürdiges gesehen und gehört, aber DAS, das war mehr als verantwortungslos. Es war echt nicht zu glauben, was so manch selbst ernannte esoterische Weisheitslehrer oder Lehrerinnen von sich gaben. Amethysta schloss für den Bruchteil einer Sekunde die Augen, um in ihrer inneren Stärke und Ruhe zu bleiben.

„Liebe Saphira, ich kann deine Ängste gut verstehen. Während meiner sehr umfangreichen Ausbildung zur Seelenbegleiterin habe ich vieles gesehen, gefühlt und gehört. Eine Unmenge an Halbwahrheiten wird vermittelt, die Unsicherheiten bringen und Ängste schüren. Als interessierte Anfängerin habe ich natürlich auch das geglaubt, was meine Kursleiter und Lehrer mir vermittelt haben. Vieles hat mir Angst gemacht. Später habe ich herausgefunden, dass dies meist nur Halbwissen war; Wissen, welches nur angelesen war und nie in der Praxis gelebt wurde. Jeder Lehrer kann nur das vermitteln, was er als seine Wahrheit annimmt.“

Saphiras Atmung wurde allmählich ruhiger, die körperliche Anspannung lockerte sich zunehmend.

„Betrachte doch einmal die Farbe Schwarz. Du hast dich ganz intuitiv in den schwarzen Sessel gesetzt. Was könnte das für dich bedeuten? Versuche bitte, deinen Blick auf das Positive zu richten“, sprach Amethysta mit sanfter und beruhigender Stimme. „Schließe deine Augen und fühle in dich hinein, was möchte die Farbe Schwarz dir mitteilen?“

„Sie macht mich traurig, …. das ist ja genau mein Thema“, stellte Saphira erstaunt fest.

„Was möchte die Traurigkeit von dir? Schließ noch mal deine Augen, atme tief ein und aus und frage deine Traurigkeit, welche Absicht sie hat.“

Während Saphira ihre Augen schloss und tief einatmete, stieg in ihr ein Gefühl von Sicherheit und Schutz nach oben ins Bewusstsein. „Um ehrlich zu sein, die Traurigkeit gibt mir Sicherheit, sie will mich beschützen.“ Saphira schüttelte ungläubig den Kopf. Das konnte doch nicht sein. Sie war doch hier um ihre Traurigkeit loszuwerden. Und jetzt war sie gar nicht mehr sicher, ob sie das überhaupt noch wollte. Sie kannte diese Traurigkeit schon ewig lange. Wie würde es sich anfühlen, sie gehen zu lassen? „Ich bin intuitiv auf den schwarzen Sessel zugegangen, weil er meine Traurigkeit spiegelt, die mich gleichzeitig beschützt und in Sicherheit wiegt. Deshalb fühlte ich mich von der Energie der Farbe Schwarz angezogen. Dann stieg die Panik nach oben, weil Traurigkeit M U S S ja was Schlimmes sein und ich habe das mit dem Negativen verknüpft, was diese Lehrerin über die Farbe Schwarz erzählt hat. Dabei ist das ja gar nicht so“, stammelte Saphira. Ihre Synapsen vermittelten ihr das Gefühl von mentalem Chaos.

„Wovor möchte dich deine Traurigkeit beschützen“, sprach Amethysta mit sanfter, beruhigender Stimme.

„Sie möchte mich davor beschützen verletzt und enttäuscht zu werden. Amethysta können wir den Termin bitte verschieben, das ist mir jetzt zu viel, das habe ich nicht erwartet.“

„Was möchtest du jetzt stattdessen tun?“

„Ich möchte spazieren gehen und einen klaren Kopf bekommen.“

„Was hältst du davon, wenn wir gemeinsam durch den Wald spazieren. Dabei klären sich deine Gedanken und ich kann dich begleiten. So abrupt würde ich ungerne deinen ersten Termin beenden. Ich verstehe natürlich, wenn dich das alles sehr bewegt hat und du in deine Ruhe kommen möchtest.“

„Ja sehr gerne, das ist eine wundervolle Idee. Ich danke dir.“

„Komm, lass uns raus in den Wald gehen und frische Luft schnappen.“

-

 

Weiterlesen   Seite -6-


© Monika Schmitt

-

Saphira Curiositas Seite -4-

-

Erstes Treffen

-

-

Mit gemischten Gefühlen stand Saphira vor Amethystas Haus und überlegte, ob sie wirklich klingeln sollte. Sie schaute sich in aller „gespielten“ Seelenruhe um. Amethystas betagtes Bauernhaus war umringt von alten knorrigen Bäumen, die im winterlichen Vollmondlicht sicherlich sehr mystisch wirken würden. Der Garten sah „wild“ aus, kunterbunt in seiner Blumenvielfalt, ein bisschen ungezähmt. „Das passt haargenau zu Amethysta“, schmunzelte Saphira, während ihr Blick auf die schwarze Katze fiel, die leise über die Wiese streunte. „Na das hat schon was von Hexenhaus“, dachte Saphira laut vor sich hin. Ihr Blick fiel auf das Praxisschild über der rot gestrichenen Eingangstür, „Praxis Lebenstraum“ stand dort in den Farben des Regenbogens geschrieben. Sollte sie wirklich klingeln?

Saphira wusste, was sie hatte, aber sie wusste nicht, was sie bekommen würde, wenn sie Veränderung zulassen würde. War es nicht viel einfacher in der Gewohnheit zu bleiben und sich mit den hemmenden Gefühlen zu arrangieren? Sich weiterhin mit positiven Affirmationen über Wasser zu halten? Das hatte bis jetzt doch eigentlich ganz gut funktioniert.
E i g e n t l i c h ! Wenn sie ehrlich war, musste sie zugeben, es hatte nichts gebracht, außer, dass sie immer wütender und trauriger wurde.

Ein kohlrabenschwarzer Vogel krähte lautstark und schreckte Saphira aus ihren Gedanken auf. Er saß in einem der knorrigen Bäume und blinzelte Saphira zu. War das nun eine Krähe oder ein Rabe und wieso blinzelte er ihr zu? Hatte sie jetzt auch noch Halluzinationen, fragte sich Saphira mit einem Hauch von Panik. „Jetzt bloß nicht in was hineinsteigern sonst hyperventilierst du gleich. Einfach tief ein- und ausatmen und dann klingel endlich bei Amethysta. Es reicht mit dem Selbstbetrug“, schimpfte Saphira mit sich selbst.

Saphira streckte ihre Hand vorsichtig in Richtung Klingelknopf. Ohne diesen berührt zu haben, öffnete sich auf magische Weise die rote Holztüre und Amethystas hübsches Gesicht lugte mit einem spitzbübischen Lächeln hervor. „Hallo meine liebe Saphira, schön das du da bist. Immer hereinspaziert oder möchtest du dir lieber noch ein bisschen meinen Garten anschauen“, ertönte ihre glockenhelle Stimme. Ein kleines Schmunzeln war nicht zu überhören. Diese fröhliche Begrüßung brach sogleich das Eis und Saphira prustete erleichtert los.

„Hallo Amethysta, ich gebe zu, ich habe es mir gerade mal wieder ein bisschen schwer gemacht. Mein Gedankenkarussell ist ständig in Gang“.

„Ach das kenne ich nur zugut. Dieses Karussell war jahrelang mein treuer Begleiter. Komm erst einmal herein.“

Erleichtert betrat Saphira das Hexenhaus und hatte das Gefühl, bereits an der Türschwelle ein emotionales Gepäckstück abgegeben zu haben.

„Gleich rechts die nächste Türe rein, da geht’s in die Praxis“, deutete Amethysta mit ihrer rechten Hand.

Der Praxisraum war sehr gemütlich eingerichtet, so gar nicht, wie man sich eine Praxis normalerweise vorstellt. Hier gab es drei wunderschöne Barock-Sessel, der eine mit violettfarbenem Samtstoff und weißem Massivholz, ein anderen mit grün-weiß gestreiftem Stoff und der dritte mit schwarzem Stoff und schwarzem Holz. Alle drei Sessel hatten hohe Rückenlehnen und das Holz war jeweils wundervoll geschnitzt. Nicht nur die Sessel wirkten antik, auch die Bodendielen aus Kiefernholz und der Schreibtisch am Fenster. Neben jedem Sessel stand ein kleiner Beistelltisch für Getränke. In der rechten Ecke des Raumes war ein kleiner Tisch aufgebaut, auf dem sich neben vielen brennenden Kerzen auch verschiedene Statuen und Utensilien befanden. Eine Marienfigur, eine Engelfigur, ein kleiner Kelch gefüllt mit Wasser und ein paar Edelsteine. Auf dem Schreibtisch standen ein Ganesha und eine Adlerfeder in einem Sandgefäß, soweit Saphira das aus der Distanz erkennen konnte. In diesem Raum wirkte eine ganz besondere Atmosphäre, in der Saphira sich sogleich vollkommen entspannen konnte.

„Nimm doch bitte Platz Saphira“.

„Ja gerne“, antwortete Saphira und nahm auf dem schwarzen Sessel Platz.

-


Weiterlesen   Seite -5- 

-

© Monika Schmitt

-

Die Schöpferkraft in uns – Wir sind, was wir denken

-

Viele bekannte Weisheitslehrer lehrten ihre Schüler „Du bist, was Du denkst“. In diesem kurzen Satz steckt auch für mich eine große Wahrheit. Irritiert bin ich lediglich von den Interpretationen dieser Worte, die den Weg durch unsere moderne Zeit finden. Aus „Du bist, was Du denkst“ wird sehr schnell „Du musst Dir nur richtig wünschen, was Du Dir von Deinem Leben erhoffst und schon stellt sich dieser Wunsch ein“. Ist dem wirklich so?-

Vor einiger Zeit besuchte ich ein Seminar bei meiner Netzwerkkollegin Uta Rohde in Woldert, im Westerwald. Uta beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem „Baum des Lebens“ der Kabbala. In diesem Kurs hörte ich das erste Mal etwas von dem „Baum des Willens“. Durch die Beschäftigung mit dieser Sicht auf den Baum des Lebens habe ich für mich ein Erklärung gefunden, warum „Wünschen“ alleine – egal ob mit oder ohne Visualisierung und emotionalem Bezug – nicht ausreicht.

Den Baum des Lebens in seiner Gänze in diesem kurzen Artikel zu erklären ist nicht möglich und nicht mein Anliegen. Es gibt hierzu eine Vielzahl hervorragender Bücher. Sehr gerne nehme ich Dich mit auf meine kleine Entdeckungsreise der 10 Sephiroth im Baum des Lebens, um den Weg von der Idee oder eines Wunsches durch die 10 Phasen der Schöpfung bis hin zur Manifestation zu veranschaulichen.

Der Baum des Lebens wird bildlich, mithilfe der 10 Sephiroth, dargestellt. Da es uns unmöglich ist, von einer bestimmten Erscheinungsform GOTTES zu sprechen, können auch die 10 Sephiroth im Baum des Lebens nicht einwandfrei beschrieben werden. Die 10 Sephiroth werden unter anderem als die 10 Heiligen Zahlen, die 10 göttlichen Emanationen, die 10 Stufen, in denen GOTT sich in der Schöpfung manifestiert und die 10 enthüllten Attribute Gottes dargestellt.

-

-

“Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken.
Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.
Sprich und handle mit lauterem Geist, und Glück wird Dir nachfolgen
wie Dein Schatten, der nie weicht”.

(Mahatma Ghandi)

-

-

Die 10 Stufen der Manifestation im Baum des Willens

-

-

Sephirah 1 KETHER „Krone“
Diese Sephirah ist die erste Emanation GOTTES, der Ur-Wille. Im Baum des Willens haben unsere Ideen, Wünsche und Visionen hier ihren Ursprung. (Idee)
-

Sephirah 2 CHOKMAH „Weisheit“
In der zweiten Sephirah setzt sich die Energie des Ur-Willens mithilfe der Weisheit in Bewegung. Es gibt noch keinen konkreten Plan, nur die Idee, den Wunsch oder die Vision. (Bewegung)
-

Sephirah 3 BINAH „Verstehen“
Binah empfängt die Energie der Weisheit und gibt der Idee, dem Wunsch oder der Vision eine Form. (Planung)
-

Sephirah 4 CHESED „Güte“ „Mitgefühl“
In der vierten Sephirah fließt die Kraft, die erbaut und die Vorstellung, warum etwas erschaffen wird. (Vorstellungskraft)
-

Sephirah 5 GEBURAH „Strenge“
Hier fließt die Energie der Willenskraft in drei Ebenen. Wir können uns die folgenden Fragen stellen: Woraus ist meine Idee, mein Wunsch erwachsen? Aus dem Gefühl der Angst? Aus einem rein materialistischen Grund? Folge ich einem Impuls meines Lebensplans? Egal wie ich mir diese Fragen beantworte, um meine Idee umsetzen zu können, brauche ich Willenskraft. (Disziplin)
-

Sephirah 6 TIPHARETH „Schönheit“
Die sechste Sephirah ist das Herz des Lebensbaums. Hier fließen alle Energien zusammen. Tiphareth hält den Lebensbaum im Gleichgewicht. Hier stellt sich meist die Frage „Kann ich mein wahres Selbst in dieser Idee verwirklichen oder dient sie alleine meinem Narzissmus?“ (Klärung)
-

Sephirah 7 NETZACH „Sieg“
Die siebte Sephirah ist der Sitz der Emotionen. In ihr fließt ebenso die notwendige Kraft des Verlangens. An dieser Stelle ist es wichtig zu klären „Sind meine Gefühle in Einklang mit meiner Idee, mit meinem Wunsch“ „Bin ich Feuer und Flamme für meine Vision?“ (Verlangen)
-

Sephirah 8 HOD „Herrlichkeit“ „Glanz“ „Pracht“
In der achten Sephirah finden wir das Gegenstück zur siebten. HOD ist der Sitz unserer Gedanken, unseres Intellekts. Hier zeigt sich, ob die Gedanken in Ruhe und im Einklang mit der Idee sind? Oder sind sie im Ungleichgewicht, unruhig, störend oder sogar voller Zweifel in Bezug auf die Idee oder die Wunscherfüllung? (Reflexion)
-

Sephirah 9 YESOD „Fundament“
Die neunte Sephirah wird dem Unterbewusstsein zugeordnet. Hier gilt es zu klären „Ist mein Plan in Bezugnahme unserer kollektiven Bilder und Erfahrungen wirklich umsetzbar?“ (Vollendung)
-

Sephirah 10 MALKUTH „Königreich“
Schwingen die neun Sephiroth im Einklang, dann steht der Manifestation nichts mehr im Weg. (Tat)

-

-

„Das Glück Deines Lebens hängt von der Beschaffenheit Deiner Gedanken ab“.

(Marc Aurel)

-

-

Was erschwert uns die Umsetzung unserer Ziele?

Ein Ungleichgewicht in den verschiedenen Stufen kann die Umsetzung der Idee erschweren und bis hin zum Stillstand führen oder den Weg für eine hartherzige und gnadenlose Umsetzung des anvisierten Ziels bahnen.

So kann z. B. eine Disharmonie in der Sephirah 5 GEBURAH sich in einem Zuviel als „Workaholic“ und ein Zuwenig als „Faulheit“ darstellen.

Ein Zuviel in der Sephirah 4 CHESED kann sich in „Traumtänzerei“ und ein Zuwenig in „Fantasielosigkeit“ ausdrücken. In dem einen Fall bauen wir Luftschlösser, im anderen Fall sind wir nicht in der Lage, unsere Schöpferkraft umzusetzen.

Harmonie in, und im Zusammenspiel der einzelnen Sephiroth ist für eine lichtvolle Manifestation unserer Idee, unseres Wunsches oder unserer Vision unumgänglich.

-

Du musst nur „richtig“ wünschen … Du musst nur „richtig“ denken …

Viele Menschen wünschen und wünschen und wünschen und nichts passiert. Ich kenne viele Menschen, die eine Idee haben, eine wundervolle Vision und leider (bis jetzt) nicht in der Lage sind, diese umzusetzen. Warum klappt es nicht? Fragen diese Menschen andere um Rat, dann erhalten sie häufig die Antwort „Du musst richtig wünschen und es Dir auch vorstellen“ oder „Du musst richtig denken, dann greift das Gesetz der Resonanz“. Sollte es dennoch nicht klappen, „Dann hast Du eine energetische Blockade“.

Reicht es wirklich aus, meine Idee zu visualisieren, mit positiven Affirmationen zu belegen und diese dann, einem Mantra gleich, alltäglich vor mich hinzubeten?

Schaue ich mir dieses alte Symbol vom Baum des Lebens aus der Kabbala an und rekonstruiere den Weg durch die 10 Stufen der Manifestation, kann ich für mich erkennen, warum nicht alle Wünsche erfüllt werden; warum ich mit der Verwirklichung meine Vision nicht weiter komme. Wenn ich offen und ehrlich zu mir selber bin, dann offenbart mir der Baum des Lebens einen Weg aus dem Stillstand, aus dem Ungleichgewicht heraus in eine lichtvolle Manifestation meiner Wünsche und Träume.

 

An ihren Taten werdet ihr sie erkennen

„Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also, werdet ihr sie erkennen“. Matthäus 7,15-20

-

Möge Euer Baum des Lebens in Euch, stets lichtvolle Früchte tragen.

Von Herzen Monika Schmitt

 -

© Text Monika Schmitt

-


Veröffentlicht im
ZUFALL – Das WIRtschaftsmagazin mit Herz 1/ 2012
Thema „Schöpferkraft“

Die Schöpferkraft in uns – Wir sind, was wir denken pdf

-

-

Saphira Curiositas Seite -3-

-

-

In Gedanken versunken legte Amethysta den Telefonhörer auf. Sie dachte an Klara Trinitas, ihre Ausbilderin und daran, was sie während der vielen Jahre in der Lebensschule lernen konnte. Es war nicht immer leicht gewesen. Wie oft hatte Amethysta daran gedacht, alles hinzuschmeißen. Mit wie vielen abwertenden Gedanken und Verhaltensmustern hatte sie sich beschäftigen müssen, um letztendlich ihren wahren Seelenkern zu entdecken.

Zu Beginn ihrer „Reise zum eigenen Seelenkern“, wie sie ihre Ausbildung gerne nannte, standen viele erstaunliche Erlebnisse. Im Kreise gleichgesinnter Menschen fühlte Amethysta sich anfänglich sehr wohl. Die ersten Wahrnehmungsübungen gelangen ihr ausgezeichnet und das Lob ihrer Ausbilderin Klara war ihr sicher – genauso sicher, wie die später einsetzenden Sticheleien ihrer Mitschülerinnen, die von Neid und Konkurrenzdenken getrieben wurden. Das erschreckte Amethysta sehr. Hatte sie doch gedacht, dass Menschen, die sich mir der „Seelen-Erforschung und -Begleitung“ beschäftigten, andere Umgangsformen bevorzugten. Weit gefehlt! So viel Neid und Missgunst war ihr bisher nicht begegnet. Ständig wurde über Menschen geurteilt und ihnen der Stempel „nicht spirituell“, aufgedrückt. Sie hetzten beispielsweise über Samira, eine Schülerin der oberen Stufe „So wie die aussieht hat die ja ne Menge zu verstecken, tarnt sich hinter Make-up und schicker Kleidung. Das ist nicht spirituell.“, oder „Die nimmt ja Geld für ihre selbst gemalten Bilder – das ist nicht spirituell“. Für die eigene Meinung einstehen war in den Augen vieler ihrer Mitschülerinnen und -schüler genauso wenig spirituell, wie die eigenen „Grenzen“ aufzuzeigen. „Na, die sind halt eben noch auf einer anderen Bewusstseinsstufe“, war einer der beliebtesten Sätze, der gerne mit betont sanftem Ton zum Besten gegeben wurde.

Tarotkarten wurden solange gelegt, bis sie die gewünschten Antworten bereithielten. Diverse Orakelkarten wurden fast täglich gezogen, die einen Hinweis auf den nächsten Schritt und die eigene Entwicklung geben sollten. Oft waren es Karten mit Hinweisen wie „Du musst vergeben“, „Liebe deine Schattenseiten“, „Positives Denken“, Du musst deine Wünsche richtig formulieren“, „Du hast eine energetische Blockade“, „Wenn du dich selbst liebst, dann brauchst du niemanden“, „Wir sind alle Eins“ und viele andere mehr. Diese Worte und Affirmationen auf den unterschiedlichen Karten verursachten Amethysta Übelkeit und ein schlechtes Gewissen. Sie konnte diese Ansichten selten teilen und die Tipps nicht umsetzen. War sie denn überhaupt geeignet diese Ausbildung zu machen, fragte sie sich oft.

Amethysta geriet immer mehr aus ihrem inneren Gleichgewicht. Sie wollte gerne „dazugehören“ und so blieb es nicht aus, dass sie sich in den Sog dieser ach so spirituellen Mitschüler „die Verurteiler und Bewerter“ wie sie sie insgeheim nannte, hineinziehen ließ. Es dauerte nicht lange, bis sie sich dabei ertappte, dass sie ähnliche Sprüche zum Besten gab, dass sie bewertete und verurteilte. Ein schlimmer innerer Kampf begann. Amethysta fühlte sich schlecht, unwürdig und nutzlos. In diesem Tal der Finsternis war es ein leichtes, sich immer kleiner und kleiner zu machen. Sehr schnell bekamen Worte wie „Vergebung“ und „Demut“ die Bedeutung der völligen Selbstaufgabe. Ungehindert konnten nun die Sticheleien ihre Mitschüler immer tiefer in Amethystas Seelenlandschaft eintreten. Sie lebte hinter einer Nebelwand aus Schuld, Scham und dem Gefühl nicht richtig zu sein.

Die Wende kam mit dem Tod ihrer geliebten Omama. Amethysta weinte über diesen schlimmen Verlust. Ihr Herz schmerzte sehr und die Trauer zeichnete sich unverkennbar in ihrem Gesicht und Körper ab. Es kamen keine tröstenden Worte von ihren neuen Bekannten und Mitschülerinnen. „Die sieht aus wie das Leiden Christi“, „Hat die immer noch nix kapiert, man weint nicht um einen Verstorbenen, sonst hält man die Seele auf Erden fest“, waren einige der bissigen Bemerkungen, die Amethysta zu Ohren kamen. Endlich fasste sie sich ein Herz und bat ihre Ausbilderin Klara Trinitias um ein Gespräch unter vier Augen.

„Ist es etwa spirituell sich ganz klein zu machen in eine Ecke drängen und verbal verprügeln zu lassen? Sich in Sack und Asche zu kleiden und am Hungertuch zu nagen?“, funkelten Amethystas Augen herausfordernd, als sie Klara diese wichtigen Fragen wutentbrannt entgegenschleuderte, anstelle einer höflichen Begrüßung.

Klara lächelte nachsichtig und war sehr erfreut, das Amethysta zu guter Letzt den Weg zu ihr gefunden hatte, um ihr Herz zu erleichtern. Klara wusste, das Amethysta stets versuchte alles mit sich selbst auszumachen und so hatte sie geduldig gewartet, bis ihre Schülerin bereit war „Begleitung“ während ihrer Lebensstudien anzunehmen.

Rückblickend schmunzelte Amethysta  bei dem Gedanken an ihre geduldige Lehrerin und war ihr zutiefst dankbar für die vielen wundervollen, lehrreichen Gespräche, die sie von diesem Augenblick an geführt hatten. Auch heute noch rief sie Klara an, um mit ihre viele Dinge zu besprechen, denn Klara war ihr eine sehr liebe Freundin geworden.

Ihre Gedanken gingen vorwärts zu Saphira. Mit welchem Thema würde Saphira ihre Reise zum Seelenkern beginnen?

-


Weiterlesen   Seite -4- 

-

© Monika Schmitt

-

Saphira Curiositas Seite -2-

-

Amethysta Oraculum

-

-

Zum Ende ihrer Schullaufbahn, als Amethysta sich für einen Beruf entscheiden musste, zog sie, mit Papier und Stift bewappnet, an ihren Lieblingsplatz, dem Bach hinter Großmutter Maryams kleinem Bauernhaus. Amethysta machte es sich auf der kleinen Hängebrücke bequem, die den schmalen Bach überspannte, ließ ihre Füße ins Wasser baumeln und fertigte ihre Listen an. Sollte sie in Mutters Fußstapfen treten und Mathematik studieren oder sollte sie lieber die väterliche Tradition fortführen und Malerin werden. Während Amethysta so vor sich hingrübelte, kam ihr der Gedanke Omas Handwerk „Naturmedizin“ zu erlernen. Der Gedanke den ganzen Tag in der Natur zu sein, Kräuter zu sammeln und zu trocknen gefiel ihr sehr gut. Es machte ihr stets eine Riesenfreude mit Omama, wie sie ihre Großmutter liebevoll nannte, durch die Wälder zu streifen. Bewundernd schaute sie als kleines Mädchen ihrer Omama zu, wie diese liebevoll mit ihren Besucherinnen, so nannte sie ihre Patientinnen, umging. Hm, es waren ausschließlich Frauen, die sie aufsuchten.

So würde sie keine Entscheidung treffen können, was sie aus ihrem Leben machen wollte. Der Beruf, den sie ergreifen wollte, sollte ihr Spaß machen, schließlich würde sie ihn viele Jahre ausüben müssen. Ja, ja, es gab immer noch die Möglichkeit sich später neu zu orientieren, das wollte sie aber allzu gerne vermeiden. Amethysta hatte eine Idee. Auf das erste Blatt schrieb sie „Was ich besonders gut kann“, auf das zweite „Was ich nicht gut kann“ und auf das dritte Blatt „Was sind meine Talente“.

Amethysta konnte sehr gut zuhören, analytisch denken, Situationen miteinander verknüpfen und sie hatte eine sehr große empathische Begabung, um nur einige Dinge zu erwähnen, die auf ihrem ersten Blatt geschrieben standen.

Auf dem zweiten Blatt listete sie alle Dinge auf, die sie nicht gut konnte, weil sie diese nicht mochte. Dazu gehörten: die Unwahrheit sagen, Menschen überrumpeln, singen, rechnen, … uuups hatte sie nicht soeben noch überlegt Mathe zu studieren. Ja sie war ziemlich gut in Mathe, um nicht zu sagen brillant, dennoch erfüllte es sie nicht, es brachte ihr nicht wirklich Freude. Puh … was würde ihre Mutter dazu sagen.

Wie schaute es denn mit dem Malen aus? Malen war ein wunderbarer Ausgleich. Amethysta liebte es, sich mit den Farben und Symbolen zu beschäftigen, doch Malen, so wie Papa? Sie liebte das Mystische, welches sich in Zahlen, Formen, Farben und Symbolen zeigen konnte und sie liebte es, dies zu ergründen. Als Künstlerin arbeiten … nein, das war nicht das Richtige für sie.

Ok, dann auf zum dritten Blatt, was waren ihre Talente. Empathie, schnelle Auffassungsgabe, analytischer Verstand, auf Menschen eingehen können, Vertrauen erwecken, …. Was sollte sie denn da mit anfangen können, grübelte sie vor sich hin. Wie sooft in ihrem Leben war es ihre Omama Maryam, die ihr wichtige Denkanstöße gab und so war es letztendlich kein Wunder, dass Amethysta sich zur Seelenbegleiterin ausbilden ließ. Das, war vor vielen Jahren schmunzelte Amethysta in sich hinein. Oft spiegelte sich ihr eigenes Leben in den Anliegen, mit denen ihre Klientinnen zu ihr kamen und so blickte sie gerade in der Zeit zurück, als das Praxis-Telefon klingelte.

„Seelenbegleiterin Amethysta Oraculum, einen schönen guten Tag“ lächelte sie in ihr Telefon hinein.

„Hallo Amethysta, ich bin´s Saphira. Du, ich bräuchte da mal deine Hilfe, dein Know-how“.

„Hallo Saphira, schön deine Stimme zu hören. Wie kann ich dir behilflich sein?“

„Ich brauche dringend eine qualifizierte Person, die mir aus meinem inneren Kampf heraushilft. Und da bist du mir eingefallen. Kannst du mir einen Termin geben, am besten vorgestern“, säuselte Saphira andächtig in den Hörer.

„Ich kann dir für morgen Nachmittag 16.00 Uhr einen Termin anbieten“, antwortete Amethysta verständnisvoll. Saphira erinnerte sie an sich selbst und daran, wie sie den Weg zu ihrer Seelenbegleiter-Ausbilderin Klara Trinitas fand.

„Suuuper. Bis morgen“, flötete Saphira zufrieden.

„Bis morgen“, antwortete Amethysta mit einem wissenden Lächeln auf ihrem Gesicht.

-

Weiterlesen  Seite -3- 

-

© Monika Schmitt

-

Saphira Curiositas Seite -1-

-

Saphira Curiositas und die Traurigkeit

-

-

-

„Ich will dieses Gefühl nicht haben, es zieht mich runter. Es fühlt sich an, wie ein tiefes, schwarzes Loch und dieses Loch befindet sich in mir. ICH WILL DAS NICHT!“ brüllte Saphira Curiositas ihr Ebenbild an. In Tränen aufgelöst stand Saphira in ihrem kleinen Badezimmer und starrte voller Abneigung in den Spiegel. Warum fühlte sie sich ständig so schrecklich niedergeschlagen? Sie hatte e i g e n t l i c h überhaupt keinen Grund dazu. Sie hatte liebe Freunde, einen tollen Job, ausreichendes Einkommen und sie war vollkommen gesund.
E i g e n t l i c h ! Wenn da nicht dieses tiefe schwarze Loch namens „Traurigkeit“ in ihr wäre.

Ständig kämpfte Saphira gegen diese melancholische Stimmung an. Wenn dieses schreckliche Gefühl sich bemerkbar machte, spürte Saphira in ihrem Bauch zuerst eine klitzekleine Flamme. Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln startete sie dann sofort den Kampf gegen den Feind „Traurigkeit“. Dennoch wurde stets aus der kleinen Flamme ein riesengroßer Seelenbrand. Ein inneres Feuer das sie zu vernichten drohte.

Saphira dachte an die vielen Bücher über positives Denken, welche sie gelesen hatte. Die vielen Tipps, die sie daraus umgesetzt hatte. Etliche positive Affirmationen hatte sie auf kleine bunte Notizzettel geschrieben und in ihrer gesamten Wohnung verteilt. Allmorgendlich grinste sie ein gelber Zettel auf dem Badezimmerspiegel mit den Worten „Mir geht es von Tag zu Tag besser und besser“ an. Am PC-Bildschirm klebte ein rosafarbener Zettel mit den Worten, „Ich bin stets auf das Positive in meinem Leben ausgerichtet“, auf der Haustüre ein Zettel mit den Worten, „Ich bin vollkommen glücklich“, und da gab es noch viel bunte Notizzettel mehr. Und nicht zu vergessen die positiven Gedanken, die sie jeden Abend im Bett wie ein Mantra herunterbetete, bis sie vor Erschöpfung einschlief. Die sehnsüchtig herbeigerufenen Nebelschwaden legten dann eine beruhigende Wand der Verdrängung über das schmerzende Seelenfeuer.

Diese, mit militärischer Disziplin durchgeführte „Operation nieder mit der Verzweiflung“ war stets kräftezehrend und dauerte sehr sehr lange. Leider war keiner der heftigst erkämpften Siege von langer Dauer. Scheinbar ließ sich der Feind „Traurigkeit“ weder ausrotten noch
- für immer – hinter die Nebelwand verbannen.

Saphira betrachtete ihr Gesicht aufmerksam im Badezimmerspiegel. Erschöpft sah sie aus mit ihren glanzlosen traurigen Augen. Ihr Blick fiel auf den gelben Notizzettel, auf den sie mit ihrer schön geschwungenen Handschrift „Mir geht es von Tag zu Tag besser und besser“ geschrieben hatte. Ging es ihr wirklich von Tag zu Tag besser und besser? Hatten all diese positiven Gedanken etwas an ihrer unglücklichen Situation geändert? „NEIN – diese positive Gehirnakrobatik hat mich nicht wirklich glücklich gemacht“, murmelte sie vor sich hin. „Es hat die URSACHE nicht beseitigt, weil ich sie damit nur verdrängt habe“ schoss ein Geistesblitz durch ihren hübschen Kopf. Saphiras blaue Augen fingen an zu funkeln. Es war an der Zeit, dass sie ihrem Namen gerecht wurde und voller Wissbegierde diesen dunklen Abgrund namens „Traurigkeit“ einmal genauer betrachtete. „Kann ich das alleine?“ fragte sie ihr Spiegelbild. Saphira atmete tief ein, um sich zu beruhigen. Plötzlich dachte sie an Amethysta Oraculum. Amethysta begleitete Menschen dabei ihre Seelenlandschaft zu erforschen und eigene Antworten auf ihre Fragen zu finden. „Na, wenn das nicht ein Wink des Schicksals ist“, dachte Saphira, während sie aus dem Bad in Richtung Wohnzimmer stürmte und zielstrebig zum Telefonhörer griff.

-


Weiterlesen  Seite -2- 

-

© Monika Schmitt

-

Zyklen – Wiederkehr

-

Der Kreislauf des Lebens steckt allem inne

-

Nicht nur unsere menschliche Existenz wird vom immer wiederkehrenden Kreislauf des Lebens bestimmt. Alles Leben auf unserem Planeten, wie auch unsere geistigen und materiellen Produkte, unterliegen diesem Zyklus. Alles trägt in sich den Rhythmus von Geburt & Erwachen, Wachstum & Blütezeit, Reife & Ernte, Welken & Ruhen (Tod). Dann beginnt der Zyklus meist wieder von vorne.

Das Leben in der Natur erwacht im Licht der ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings. Der Sommer zeigt uns das Leben in voller Blüte. Das Sommerkleid verblüht und macht Platz für die goldene und rote Herbstpracht. Das Leben beginnt zu welken, die Blätter fallen von den Bäumen. Der Winter bringt dem Leben in der Natur die wohlverdiente Ruhe. Einige Pflanzen erwachen erneut im kommenden Frühling, andere sterben im Winter und schenken Raum für neues Leben.

Wer mit aufgeschlossenem Herzen und wachen Augen durch die Natur wandert, um den Wechsel der Jahreszeiten zu beobachten, dem offenbaren sich viele Parallelen zum eigenen Leben. Feld und Wald, Flora und Fauna wirken dabei inspirierend – alle Sinne werden auf natürliche Weise angeregt und der innere Blick auf das Hier & Jetzt gelenkt. Unser Fokus darf sich auf das Wesentliche in uns und unserem Leben richten.

-

Wir werden mitgerissen vom Strom des städtischen Getümmels,
bis wir den Rhythmus des einfachen Lebens auf dem Lande vergessen,
das im Frühling heiter lächelt, im Sommer keine Mühen scheut,
im Herbst die Früchte dieser Mühen erntet und im Winter ruht.

(Khalil Gibran)

-

Leben im Rhythmus der Natur-
Nachdem auch der Mensch im Winter seine Kraft erneuern, und während besinnlicher Stunden neue Ideen ausbrüten konnte, kommt im Frühling die Zeit, diese Ideen in die Tat umzusetzen. 

Im Sommer befassen wir uns mit unserem eigenen inneren Wachstum. Dies geschieht meist ganz unbewusst. Die Pflanze muss sich nicht bewusst dazu entscheiden zu wachsen – die Kraft des Wachstums steckt einfach in ihr und diese Kraft steckt auch in uns. Der Mensch möchte sich ebenfalls in seiner gesamten Schönheit und in seiner wahren inneren Größe entfalten. Nur so können wir unseren Platz und unsere Aufgabe im Lebensplan einnehmen und erfüllen.

Der Herbst schenkt uns die Zeit des Nachdenkens, des nach -innen-Lauschens. Diese Zeit beinhaltet die Möglichkeit, sich mit der eigenen inneren Stimme zu verbinden. Es ist die Zeit der Rückschau auf das, was im vergangenen Jahr getan wurde und die Zeit der inneren Vorbereitung auf das, was im kommenden Jahr getan werden kann. Was du säst, wirst du ernten. Der Herbst schenkt uns genügend Zeit, neue Projekte für das kommende Jahr zu planen.

Im Winter ist die Zeit zum Entspannen und zur Ruhe zu kommen, um neue Kräfte zu sammeln. Der Zeit der Veränderung geht immer eine Zeit der Stille und des Stillstands voraus. Es ist auch die Zeit der inneren und äußeren Reinigung. Dies gehört zum Wandlungsprozess dazu. Wahre Wandlung beginnt immer in der Tiefe, im Innen, bevor sie den Weg nach außen geht.

Sich dem Lebensrhythmus hinzugeben ist eine geistige Herausforderung für jeden Menschen. Dem Fluss des Lebens zu folgen, Neues zuzulassen, Altes loszulassen und aus dem Erlebten zu lernen, ist wahre Lebenskunst.

-

Stets wiederkehrende Situationen dienen unserer Persönlichkeitsentfaltung
Wer kennt nicht das Gefühl der steten Wiederholung von Situationen, die scheinbar nicht zu ändern sind. Die sich in schöner Regelmäßigkeit präsentieren und uns oft an den Rand der Verzweiflung bringen. Sehr schön dargestellt wird diese Situation in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Phil Connors, wundervoll gespielt von Bill Murray, sitzt in einer Zeitschleife fest und durchlebt wieder und wieder den selben Tag. Zunächst fühlt er sich in seinem ganz persönlichen Albtraum gefangen. Dann geht er dazu über, das Wissen aus seinen durchlebten täglichen Erfahrungen einzusetzen. Schritt für Schritt findet er einen Weg aus dieser festgefahrenen Situation heraus. Das kennst Du sicher auch sehr gut. Habe ich die Lektion dieses Augenblicks gelernt, verinnerlicht und umgesetzt, dann löst sie sich einfach auf. Unser Leben ist voller Herausforderungen. Haben wir unsere derzeitige Aufgabe erkannt, angenommen und verinnerlicht, dann wartet bereits ein neues Spiel auf uns.

Unsere Gedanken und das was wir von uns und der Welt glauben, hatte irgendwo seinen Ursprung (Samen). Aus den Gedanken wurden später Gefühle, Worte und Taten (Blüte). Aus unseren Handlungen wurden Gewohnheiten. Handlung und Gewohnheit formten unseren Charakter (Reife). Achte ich auf meine Gedanken, ändere ich meine Gewohnheiten, dann darf das Alte gehen (Tod) und neues Denken, Handeln und Leben darf wachsen.

-

Die Seele des Menschen gleicht dem Wasser.
Vom Himmel kommt es , zum Himmel steigt es,
und wieder nieder zur Erde muss es, ewig wechselnd.

(Johann Wolfgang von Goethe)

-

Reinkarnation & Karma
Reinkarnation (lateinisch für Wiederfleischwerdung oder Wiederverkörperung) beinhaltet den Glauben daran, dass der Mensch in seinem innersten Wesen eine unsterbliche Seele besitzt. Die Seele überlebt den Tod und wird in einem anderen Körper wiedergeboren.

Einige Glaubensgemeinschaften sind davon überzeugt, dass die Seele als Mensch, Tier oder sogar als Gottheit wiedergeboren werden kann. In welchem Körper das Individuum wiedergeboren wird, hängt maßgeblich von den Taten seiner vorherigen Existenzen ab, die zusammengenommen sein Karma (Ursache und Wirkung) ergeben. In jedem neuen Leben entwickelt die Wesenheit eine neue Identität. Es gibt jedoch einen geistigen Teil, der durch alle Leben hindurch unverändert bleibt. Dieser Teil der Seele ist bestrebt, aus all den gelebten Erfahrungen zu lernen, um zur Vollkommenheit zu reifen. Eine liebevolle, starke und zentrierte Gottheit zu sein. Dazu nutzt sie den Kreislauf der Wiedergeburt.

-

Auch in der Wirtschaft können wir den Zyklus des Lebens wieder entdecken.
Es gibt z. B. den Lebenszyklus von Produkten, von Unternehmen, von Gruppen und noch einige mehr. Nehmen wir als Beispiel das Modell des Produktlebenszyklus, welches von der Boston Consulting Group entwickelt wurde. Es besagt, dass jedes Produkt und jede Dienstleistung von der Markteinführung bis zur Einstellung des Angebotes, einen aus vier Phasen bestehenden Lebenszyklus durchläuft.

In der Entwicklungs- und Einführungsphase ist das Produkt noch vollkommen neu, ein sogenanntes Nischenprodukt. Es muss erst bekannt gemacht werden. Die Marketingmaschinerie läuft an, erste Nutzer werden aufmerksam. Darauf folgt die Wachstumsphase. Mit der richtigen Marketingstrategie kann aus dem Nischenprodukt ein Massenprodukt werden. Die ersten Nachahmer betreten den Markt. Nach einer bestimmten Zeit erreicht das Produkt die Reifephase. Der Markt ist gesättigt. Die Rückgangsphase des Produktes ist meist unaufhaltsam. Oft ist das Produkt zu diesem Zeitpunkt technisch oder modisch nicht mehr in. Es ist überaltert und stirbt.

„Das Wirken der Natur zu erkennen, und zu erkennen,
in welcher Beziehung das menschliche Wirken dazu stehen muss:
das ist das Ziel.“

(Dschuang Dsi)

-

In Gedenken an die vielen Katastrophen der letzten Jahre – Tschernobyl, Ölpest im Golf von Mexiko, Fukushima, um nur einige zu nennen – sollten Dschuang Dsis´ Worte unser aller Ziel sein.

-

© Text Monika Schmitt

-

Veröffentlicht im
ZUFALL – Das WIRtschaftsmagazin mit Herz 4/ 2011
Thema „Zyklen – Wiederkehr“

Der Kreislauf des Lebens steckt allem inne  … pdf

-

———————————–

Prinzessin Zuzmara

-

Im Januar 2011 habe ich dieses Foto bei Facebook gepostet und die Frage gestellt „Was ist das“ … Klar haben meine fb-Kontake sofort herausgefunden, dass es sich um Eisablagerungen handelt. Eine fb-Freundin aus Ungarn schrieb *Zuzmara*…auf Ungarisch *Reif*.
Das inspirierte mich zu dieser kleinen Geschichte. Danke Katalin

__________________________

-

Prinzessin Zuzmara
_

Zuzmara saß mit ihren Freunden, Geschwistern, Cousins und Cousinen auf dem Autodach von Frau Müllers silbergrauem Peugeot. Hier spielten sie seit ein paar Wochen fast täglich mit großer Freude und Hingabe ihr Verwandlungsspiel. Heute wollte jedoch keine echte Freude aufkommen, denn Frau Müller und ihre Freundinnen meckerten über den eiskalten Winter. „So ein Mist, schon wieder ist das Auto total vereist“ sprach sie und drückte missmutig auf das Enteisungsspray.

“Igitt” war das fies so schnell aufzutauen „Nie kann man es den Menschen recht machen“ seufzte Zuzmara traurig. Sie hatte sich so darauf gefreut, in diesem Jahr an dem großen Wasserkreislauf teilnehmen zu dürfen. Mit ihren tausend Jahren war sie endlich alt genug. Ihre fürsorgliche Mutter, Königin Pulvermaar erlaubte ihr mitzuspielen und … Väterchen Frost kennenzulernen.

In den schützenden Armen ihrer Mutter hatte Prinzessin Zuzmara stets im Wasserspiegel die Menschen und ihre Wünsche betrachtet. Ach wie gerne wollte sie die Menschen fröhlich stimmen. Nun stellte sie schweren Herzens fest, dass das gar nicht so einfach war. Zuerst wollten die Menschen Schnee, einen richtigen Winter …  dann lieber doch Sonnenschein und dann wiederum plötzlich Regen. Wenn Zuzmara und ihre Freundinnen jauchzend aus den Wolken sprangen, um mit den Menschen zu spielen, versteckten diese sich unter bunten Regenschirmen und schützender Kleidung.

Prinzessin Zuzmara verstand die Welt der Menschen nicht. Bekümmert musste sie sich eingestehen, dass sie es nicht allen recht machen konnte. Sie wurde sehr sehr traurig. Die Gedanken wurden dunkel um sie herum – sie hatte das Gefühl, kläglich versagt zu haben. Keiner mochte sie. Keiner liebte sie. Egal was sie auch anstellte, in welche Form sie sich verwandelte, niemand lobte sie. Ihr wurde ganz kalt, sie gefror erneut zu Eis und hoffte nie wieder aus dieser Starre zu tauen, damit sie den Wasserkreislauf nicht mehr leben musste.

Plötzlich spürte sie eine zarte liebevolle Umarmung. Tante Sonne lächelte ihr Patenkind strahlend an und erweichte ihr Herz mit den Worten „Zuzmara mein kleines Wassertröpfchen, du kannst es nicht allen recht machen und das Wichtigste ist, du musst es nicht allen recht machen. Du bist auf der Welt, um glücklich zu sein und das Glück hinaus in die weite Welt zu tragen. Wer es zu sehen vermag, der lässt sich von deinem Glück und deiner Fröhlichkeit anstecken. Wer es nicht zu sehen vermag, der darf so bleiben, wie er ist. Im Wechsel der Jahreszeiten hat ein jeder Mensch immer wieder die Möglichkeit die Augen zu öffnen und zu sehen. Denn ein jeder hat die Wahl aus dem Glück zu schöpfen oder in der Unzufriedenheit zu leben. Es liegt nicht in dir, mein kleiner Eisengel wie die Menschen sich entscheiden.

Zuzmara wurde es ganz warm ums Herz. Langsam taute sie auf und verwandelte sich in einen großen leuchtenden Wassertropfen, der ganz sachte vom Autodach zum Boden rutschte. Ach war das ein Spaß … und vor Freude jauchzend sickerte Zuzmara in die Erde, um im Wasserkreislauf nach Hause zu reisen.

-

© Monika Schmitt

-

Die Leichtigkeit des Schmetterlings

-

Eine besinnliche Geschichte

-

Es war ein wunderschöner, angenehm warmer Sommertag. Maja lief vor sich hin grummelnd zum nahe gelegenen Waldrand. Die prachtvoll blühende, bunte Sommerwiese, über die sie wütend stampfte, nahm sie gar nicht wahr. „Warum ist man überhaupt auf dieser besch … Welt, wenn das Leben so mühselig ist“ dachte sie mit schwerem Herzen.

Beruflich klappte es nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte, und jetzt war sie auch noch mit Daniel aneinandergeraten. Sie hatten sich zum x-ten Mal gestritten. Maja wollte gerne heiraten, doch Daniel hatte keine Ambitionen für eine Veränderung in diese Richtung. Maja sehnte sich nach Familie und Kindern, doch er wollte lieber reisen und die Welt kennenlernen, bevor er sich einer so großen Verantwortung wie Ehe und Familie stellte. Maja wollte es JETZT! Sie wollte endlich glücklich sein. Zu ihrem Glück fehlte ihr nur Erfolg im Beruf, die Ehe mit Daniel, Kinder und … Maja unterbrach ihre Gedanken. Irgendetwas stimmte nicht. Sie setzte sich in das angenehm warme Gras, nahm einen tiefen Atemzug und ließ ihren Blick in die Ferne schweifen.

Während sie etwas ruhiger wurde, tauchten vor ihrem inneren Auge Bilder aus ihrer Kindheit auf. Maja sah sich im zarten Alter von fünf Jahren in der Spielwarenabteilung des großen Kaufhauses ihrer Heimatstadt stehen, ihre Kinderaugen wie gebannt auf die Puppe mit den goldblonden Haaren geheftet … Wenn sie genau diese Puppe haben könnte, dann wäre ihr Glück perfekt.

In Majas Erinnerungen zeigten sich viele weitere vermeintliche Glückschancen. Ihr Glück wäre perfekt, wenn sie mit Rita aus der Parallelklasse befreundet wäre … wenn sie das pinkfarbene Kleid besitzen würde … wenn sie nach Spanien in Urlaub fahren würde … wenn sie ihre Haare blond färben würde … wenn … . Wie viele WENNS waren mit ihrem Glück verbunden… Maja seufzte schwer.

Aus dem Augenwinkel nahm sie einen wunderschönen Schmetterling wahr, der vor ihr in der Sommerluft tanzte. „Ja, mein Glück wäre perfekt, wenn mein Leben so leicht wäre wie das eines Schmetterlings“, träumte sie vor sich hin. Just in diesem Augenblick hatte sie das Gefühl, von liebevollen Armen umfangen zu sein.

Maja beobachtete den leichten Tanz des bunten Falters und stellte sich empathisch auf ihn ein. Mit ihrer Hellfühligkeit nahm sie ein Gefühl der Erschöpfung wahr. Das konnte doch nicht sein! Wieso sollte dieser wunderschöne Schmetterling sich so kraftlos fühlen. Maja stellte ihre Augen scharf und sah an der Blattunterseite eines nahestehenden Beerenstrauches eine Vielzahl winzig kleiner gelber Eier kleben. „Ah, Frau Schmetterling hat soeben ihre Eier abgelegt, deshalb fühlt sie sich so ausgelaugt“ dachte Maja.

Lea, die Schmetterlingsdame, beobachtete ihrerseits Maja und dachte, „Mensch müsste Schmetterling sein. Dann würde mir die ganze Welt zu Füßen liegen und mein Leben wäre viel leichter.“ Wehmütig schaute sie auf ihre vor kurzem abgelegten Eier. Was ihre Kinder alles würden durchleben müssen, bedachte sie mit Tränen in den Augen. „Jetzt liegen sie wohlbehütet im Schutze dieses Blattes, aber in kurzer Zeit werden sie als Larven schlüpfen. Ohne Flügel und ohne Facettenaugen“, seufzte Lea. Viele Menschen empfinden die Kinder von Schmetterlingen als Schädlinge, denn im Raupenstadium sind sie unersättlich. Wie viele von ihnen würden die Gefahren überleben, die ihnen der Stempel als Schädling aufdrückte?

„Sie müssen doch viel Nahrung aufnehmen, um zu wachsen und zu gedeihen“ sorgte sich Lea. Vier bis fünf Mal müssen die kleinen Raupen sich in ihrer Wachstumsphase häuten, wobei sich ihr Volumen jeweils etwa verdoppelt. Kurz vor der Häutung schwellen die Körper der Kleinen an, bis die alte Haut platzt und sie diese durch Muskelbewegungen nach hinten absteifen können. Nach jedem Wachstumsschub werden sie besser sichtbar sein, für Mensch und Tier. Wie viele würden dies überleben? Würden sie die Schmerzen, die die Häutungen mit sich bringen, gut überstehen. Oder wären die Erlebnisse so traumatisch, dass sie aufgäben?

Lea dachte an die kurze Verschnaufpause, die ihre Kinder im Puppenstadium genießen durften. An einem ruhigen und geschützten Platz würden sie sich in ein Seidenpolster hängen, sich ein letztes Mal häuten und anschießend verpuppen. In der Ruhe und in dem Schutz des Kokons würden sich ihre Raupenkinder in prachtvolle Schmetterlinge verwandeln. Sie vollzögen diese Wandlung in ein paar Tagen. Es gab Verwandte, die dazu Monate brauchten und manche sogar viele Jahre.

-

„Hilft man einem Schmetterling leichter zu schlüpfen,
indem man den Kokon aufschneidet,
dann kann er nicht fliegen.”

-

„Letztendlich kommt für alle die Zeit der Schwere“, seufzte Lea zum wiederholten Male. Nach Ablauf der Ruhe- und Umwandlungszeit sprengt der ausgewachsene Schmetterling dann unter großer Anstrengung die vormals schützende Hülle. Es kann viele Stunden dauern, ehe der Falter sich ans Tageslicht gekämpft hat. Hat er es dann endlich geschafft, ist er sehr verletzbar. Sein neuer Körper ist noch weich und feucht, seine Flügel sind zerknittert. Doch in der angenehm warmen Sommerluft trocknet er rasch, die Flügel strecken und erhärten sich. Dann steigt er endlich in die Lüfte, um im Sommerwind zu tanzen.

Majas Blick wurde auf magische Weise zu einem kleinen Busch gezogen. Dort konnte sie einen Schmetterlingskokon erkennen. Sie erinnerte sich daran irgendwo gelesen zu haben … „Hilft man einem Schmetterling leichter zu schlüpfen, indem man den Kokon aufschneidet, dann kann er nicht fliegen.”

Plötzlich roch Maja den Duft von Weihrauch. Ihr wurde ganz warm ums Herz. Der Engel der Leichtigkeit nahm seine Hände von Majas Schulter, trat einen Schritt zurück und lächelte.
-

© Text: Monika Schmitt

-

Veröffentlicht im
ZUFALL – Das WIRtschaftsmagazin mit Herz 2/ 2011
Thema „Liebe – Leben – Leichtigkeit“

Die Leichtigkeit des Schmetterlings – pdf

———–

———————-

_______________

Spiritualität feat. Erfolg

-

So lasset euer Licht leuchten …

Viele Menschen verbinden den Begriff „Spiritualität“ mit Leiden. Spiritualität und „Erfolg“ lassen sich für sie nicht in Einklang bringen. Oftmals stellen sich ihnen Glaubenssätze unterschiedlichster Couleur, gepaart mit den entsprechenden Emotionen, in den Weg. Erfolg wird mit (skrupellosem) Geld verdienen gleichgesetzt oder mit dessen Gegenpol, dass nur durch harte Arbeit, Fleiß und Entbehrungen das Überleben gesichert werden kann.

-

Was bedeutet Erfolg – erfolgreich sein?

Im Gabler Wirtschaftslexikon habe ich die folgende Beschreibung gefunden: »Erfolg, das i.d.R. in monetären Größen erfasste bzw. ausgedrückte Ergebnis des Wirtschaftens; ermittelt durch Erfolgsrechnung.« Und auf Wikipedia: »Der Begriff Erfolg bezeichnet das Erreichen selbst gesetzter Ziele. [...] Dabei kann es sich um sachliche Ziele wie zum Beispiel Einkommen oder emotionale Ziele wie zum Beispiel Anerkennung handeln.« Ich denke, wie immer im Leben kommt es auf den Blickwinkel des Betrachters an. Auf die eigene innere Landkarte, die geprägt ist durch verschiedene Erlebnisse, Erfahrungen und die unterschiedlichsten Emotionen.

-

-

„Egal, in welchem Bereich, ob privat, beruflich, körperlich oder geistig:
Erfolg hat, wer das Beste aus sich macht, wer seine Fähigkeiten ausschöpft,
erweitert ausbaut und so richtig zum Blühen bringt“
(Holger Fischer)

-

-

Warum hüten sich manche Menschen vor dem Erfolg, wie der Teufel vor dem Weihwasser?

Ursache könnten hier die klassischen Glaubenssätze sein, die oft unbewusst in der Familie weitergegeben werden. „Auf ehrliche Weise wird man nicht reich“, „Geld verdirbt den Charakter“, „Geld macht nicht glücklich“, „Die Reichen werden nur wegen ihres Geldes geliebt“, sind nur einige dieser hemmenden Sätze. Du kennst sicherlich noch eine Anzahl ähnlicher Aussagen, die einer Parole gleich innerhalb der Familie weitergetragen werden.

Oft beobachte ich, dass Menschen die sich mit spirituellen Themen beschäftigen, sehr angreifbar sind, wenn es um „Erfolg“ geht. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um wirtschaftlichen Erfolg handelt oder darum, sein persönliches Ziel zu erreichen, seine Vision zu erfüllen.

Sicherlich hat es nichts mit „Erfolg“ zu tun, wenn ich meinen angehäuften Reichtum anbete und das Materielle über alles und jeden stelle – sprichwörtlich das Goldene Kalb anbete. Welchen Sinn hat es jedoch, sich klein und unscheinbar zu machen?

-

Das eigene Potenzial ist nicht bewusst

Die vielen in unserer Kindheit als „wahr“ angenommen einschränkenden Glaubenssätze haben zum Schutz innere Widerstände errichtet. Diese innere Abwehr hat sich über Jahrzehnte hinweg weiter aufgebaut und umringt das eigene Potenzial wie die Stadtmauer die Stadt zum Schutz vor Angreifern. Die eigenen Stärken, Talente und Begabungen sind so gut geschützt, dass sie uns gar nicht bewusst werden. Die eigene Person wird als klein und unscheinbar angesehen. Der Angreifer „Erfolg“ muss ferngehalten werden – er könnte mich meiner Familie entfremden, meinen Glauben irritieren, mich von Freunden entzweien oder Neid und Missgunst säen.

-

Erfolg ruft oftmals Neid, Eifersucht und Missgunst auf den Plan.

Diese Gefühle können wir tagtäglich in unserem nächsten Umfeld erleben. Der Mitarbeiter ist neidisch auf den Karibikurlaub des Chefs, der Kunde auf das Haus des selbstständigen Handwerksmeisters und der Nachbar auf unser neues Auto. Es wird sich in der Kantine, auf der Straße, im Café oder in der Straßenbahn laut darüber aufgeregt, dass den Prominenten das Geld hinterhergeschmissen wird, ohne, dass sie etwas tun müssen; dass der Fußballtrainer AB ohne große Mühe Unsummen an Geld verdient und die Schauspielerin XY schon wieder eine neues Haus gekauft hat. Die Klatschpresse verkauft sich besonders gut, wenn die Schlagzeile Enthüllungen über einen Prominenten verspricht, die Schadenfreude, Spott und Hohn zulassen.

Nur selten wird ein Gedanke daran verschwendet, dass diese Menschen kein Privatleben haben, sich vor Übergriffen schützen müssen und oftmals einen Achtzehn- bis Zwanzig-Stunden-Arbeitstag haben. Oder dass sie im günstigsten Fall kurz vorm Burnout stehen und im schlimmsten Fall kurz vorm Herzinfarkt. Es wird ihnen einfach „Die bekommen fürs Nichtstun Geld“, „Die haben es ja einfach im Leben“ oder „Das ist eben ein Glückskind“ unterstellt und nicht selten schleicht sich der Gedanke „Reich und erfolgreich sein ist ungerecht und unfair“ ein.

Wer von uns die Charakteristika Neid, Eifersucht und Missgunst pflegt, hat jedoch ein Leben im steten „Mangel“ gewählt!

-

-

“Andere neidlos Erfolge erringen sehen, nach denen man selbst strebt, ist Größe.
(Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

-

-

Menschen, die sich auf ihrem spirituellen Entwicklungsweg befinden, sind meist sehr empfänglich für negative Emotionen und Unterstellungen. Häufig wissen die spirituell Suchenden nicht, mit diesen vermeidlichen Energien von Neid, Eifersucht und Missgunst, die ihnen entgegen schwappen könnten, umzugehen. Da sie niemanden bewusst verletzen möchten, machen sie sich lieber klein und unscheinbar.

Das eigene Potenzial zu unterdrücken, die eigene Lebensaufgabe zu leugnen, kann zu tiefen emotionalen Krisen führen. Um auf ein erfolgreiches und glückliches Leben zurückblicken zu können – wenn dereinst unserer Zeit gekommen ist – wollen die eigenen Lebensvisionen verwirklicht und gelebt werden.

-

Was spornt uns an, unsere Ziele zu erreichen?

Vor ein paar Monaten war ich auf einem Konzert von Ani Choying Drolma, einer buddhistischen Nonne aus Nepal. Ihre gesungenen Mantren haben mein Herz tief im Seelenkern berührt.

Die kleinen Einblicke in ihr Leben, welche sie uns an diesem Abend gewährte, haben mich sehr neugierig gemacht. Natürlich habe ich mir noch vor Ort ihr Buch „Ich singe für die Freiheit“ gekauft. Hierin beschreibt sie ihre Lebensreise als Tochter tibetischer Flüchtlinge, ihren Eintritt in das Kloster Nagi Gompa in Nepal bis hin zu ihrer beeindruckenden Gesangskarriere und der Umsetzung ihrer Vision – die Gründung der „Arya Tara School“ für Nepals Nonnen. Auf diesem Weg hat sie nicht nur Frieden mit ihrem gewalttätigen Vater und ihrer schrecklichen Kindheit geschlossen. Sie hat ihre Eltern unterstützt und einen geschäftstüchtigen Spürsinn entwickelt, den sie zum erreichen ihrer Vision einsetzt. Dies wurde von einigen Nonnen des Klosters mit Abneigung betrachtet und brachte ihr den Titel „Business-Nonne“ ein. Davon hat sie sich jedoch nicht abhalten lassen. Ani Choying Drolmas Motivation lag darin, ihre Eltern glücklich zu machen und ihre Vision von der „Arya Tara School“ zu verwirklichen.

-

Lebensgesetz „Erfolg“

Ein Mensch, der authentisch lebt und seinen Weg mit stärkenden Attributen wie z. B. Ehrlichkeit, Achtsamkeit und Respekt vor der gesamten Schöpfung pflastert, kann letztendlich nur „erfolgreich“ sein. Er wird zu einem menschlichen Anziehungspunkt des „Erfolgs“.

Ohne Erfolg können Visionen nicht wahr werden und die Welt sich nicht verändern. Wie ich die Früchte meines Erfolgs einsetze und nutze, das liegt alleine an mir. Ich habe stets die Wahl, ob ich das Goldene Kalb anbete oder meine Lebensaufgabe, die sich durch Wünsche und Ideen äußert, umsetze. Erfolg ist menschlich und hat per se nichts Verächtliches an sich.

-

Wir sind am Tag unzählige Male erfolgreich …

Wir stehen auf, wenn der Wecker klingelt, auch wenn der Eine oder Andere dazu erst die innere Schlafmütze und den Morgenmuffel überzeugen muss. Wir lösen die kompliziertesten Rechenaufgaben, unterrichten Schulklassen, bilden junge Menschen aus. Wir bestehen den Führerschein, pflanzen einen Baum, der wahrhaftig Früchte trägt. Unendlich viele Erfolge mehr erleben wir Tag für Tag. Nicht zu vergessen das Lächeln, das wir einem traurigen Menschen entlocken. Die Zuversicht und Hoffnung, die wir unserem Gegenüber in Gesprächen schenken. Das „Hand halten“ am Krankenbett, welches Trost und Zuversicht schenkt. Das Beistehen sterbender Menschen, die ihren letzten großen Schritt in Begleitung gehen dürfen – oftmals mit einem Lächeln für uns auf dem Gesicht und der Dankbarkeit, nicht alleine diesen letzten Schritt gegangen zu sein. Diese kleinen „großen“ alltäglichen Erfolge beachten wir gar nicht, sie sind uns nicht bewusst, weil sie „normal“ sind. Ich finde, die Zeit ist gekommen, unsere täglichen Erfolge wertzuschätzen! Was denkst DU?

-

Erfolgreich sein im eigenen Leben“ ist unsere spirituelle Mission

„Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst Euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie Eure guten Werke sehen und Euren Vater im Himmel preisen.“
(Matthäus 5, 14 – 16)

-

© Text: Monika Schmitt

-

Veröffentlicht im
ZUFALL – Das WIRtschaftsmagazin mit Herz 5/ 2011
Thema “Erfolg ist Menschlich”

So lasset euer Licht leuchten …  pdf

——–

-

-

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.